Was steht denn nun in der Vereinbarung?
In der Nacht auf Mittwoch hat US-Präsident Donald Trump einen zweiwöchigen Waffenstillstand mit dem Iran verkündet.
- Demnach basierte der Waffenstillstand auf einem Vorschlag des pakistanischen Premierministers Shahbaz Sharif und Trump hatte ihn „unter der Bedingung“ akzeptiert, „dass die Islamische Republik Iran bereit ist, die Straße von Hormus vollständig, unverzüglich und sicher zu öffnen“, wie Trump auf TruthSocial schrieb.
Laut
dem iranischen Staatsfernsehen hatte Teheran zehn Bedingungen für einen
Waffenstillstand gestellt, denen die USA „gezwungen waren,
zuzustimmen“. Das sind die zehn Punkte, die bereits analysiert wurden
und umfassen i.w.:
- ein Nichtangriffsprinzip,
- die Kontrolle Teherans über die Straße von Hormus,
- die Urananreicherung im Iran,
- die Aufhebung der primären und sekundären Sanktionen,
- Entschädigungszahlungen in Form einer Gebühr für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus und
- den Abzug der US-Truppen aus der Region.
- Außerdem fordert der Iran das Ende der israelischen Angriffe auf den Libanon.
Der
pakistanische Premierminister Sharif hat iranische und US-amerikanische
Delegationen für den 10. April zu Gesprächen nach Islamabad eingeladen,
um „eine endgültige Vereinbarung zur Beilegung aller Streitigkeiten zu
erzielen“.
- Bisher
wurden die Verhandlungen nicht abgesagt und es heißt, die iranische und
die amerikanische Delegation sollten direkt miteinander verhandeln,
wobei auf Seiten der USA Trumps Sondergesandter Witkoff, Trumps
Schwiegersohn Kushner und vielleicht sogar Vizepräsident Vance anreisen
sollen.
- Am Mittwochabend deutscher Zeit berichtete (3)die New York Times unter Berufung auf einen Sprecher des Weißen Hauses jedoch, der
vom Iran präsentierte 10-Punkte-Friedensplan unterscheide sich von dem
Dokument, das US-Präsident Donald Trump als „Arbeitsgrundlage für
Verhandlungen“ bezeichnet hatte.
- Laut
der Zeitung lehnte der Sprecher es ab, die Unterschiede im Detail zu
erläutern, merkte aber an, dass die Pressesprecherin des Weißen Hauses,
Karoline Leavitt, die Situation voraussichtlich um 13:00 Uhr (19:00 Uhr
deutscher Zeit) in einer Pressekonferenz klären werde.
Und das geschah auch. Leavitt sagte (4) bei der Pressekonferenz:
- „Die Iraner haben zunächst einen 10-Punkte-Plan vorgelegt, der im Kern absurd und inakzeptabel war und daher vollständig abgelehnt wurde.
- Er wurde von US-Präsident Donald Trump und seinem Verhandlungsteam buchstäblich in den Mülleimer geworfen. Viele Medienvertreter haben fälschlicherweise berichtet, dieser Plan sei für die USA akzeptabel, was aber nicht wahr ist.“
Wie
Leavitt betonte, habe Teheran, nachdem der US-Präsident dem Iran ein
Ultimatum gestellt und die US-Streitkräfte ihre Angriffe fortgesetzt
hatten, „die Realität akzeptiert“:
- „Sie
haben dem Präsidenten und seinem Team einen vernünftigeren, völlig
anderen und engeren Plan präsentiert. Präsident Trump und sein Team
haben entschieden, dass der neue, überarbeitete Plan eine Arbeitsgrundlage für Verhandlungen und eine Angleichung an unseren eigenen 15-Punkte-Vorschlag darstellt.“
- Die US-Regierung beabsichtige, so sagte sie weiter, nur unter der Bedingung mit dem Iran zu verhandeln, dass die Straße von Hormus für die Schifffahrt offen bleibe und „der Präsident wird nur ein Abkommen abschließen, das vollständig den US-Interessen entspricht“.
- Laut
Leavitt werde sich das Verhandlungsteam zwei Wochen lang darauf
konzentrieren, solange die Meerenge ohne Einschränkungen oder
Verzögerungen offen bleibe.
Es ist derzeit also nicht klar, welche Vorschlag die Basis für den Waffenstillstand ist.
- Lügt der Iran und hat der Öffentlichkeit einen Plan präsentiert, den die US-Regierung abgelehnt hat?
- Oder lügt das Weiße Haus, um von seiner Blamage abzulenken, dem Iran so weit entgegengekommen zu sein?
- Oder lügt niemand, sondern bei der Übermittlung der Vorschläge hat Pakistan einen Fehler gemacht, der zu einem Missverständnis über den Inhalt des angeblich von beiden Seiten akzeptierten Vorschlages geführt hat?
Knackpunkt Israel
Wie ich bereits in einer ersten Analyse geschrieben wurde, ist der Knackpunkt Israel, das seine Angriffe auf den Libanon sogar noch verstärkt hat, obwohl der Iran die Einstellung der israelischen Angriffe zur Bedingung für den Waffenstillstand gemacht hat. Dass die israelische Regierung gegen ein Ende des Krieges ist, ist ohnehin kein Geheimnis.
- Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim hat am Mittwochnachmittag berichtet,(5) der Iran werde aus dem Waffenstillstand aussteigen, wenn Israel seine Angriffe auf den Libanon nicht einstellt.
- Bei den israelischen Angriffen auf Beirut sind alleine am Mittwoch mindestens hundert Zivilisten getötet worden und das iranische Außenministerium erklärte,(6) diese Angriffe seien ein Bruch des Waffenstillstandes.
Der
Waffenstillstand ist in der israelischen Politik unbeliebt und sogar
die Opposition hat heftig dagegen protestiert, wie RT-DE in einem
lesenswerten Artikel zusammengefasst hat.
- Demnach
seien Vertreter der israelischen Opposition aus fast allen politischen
Lagern entsetzt, denn der Waffenstillstand sei eine Katastrophe und
Netanjahu habe komplett versagt.
- Am schlimmsten sei aber, dass Israel vom Verhandlungstisch ausgeschlossen wurde.
- Dieser Sachverhalt bestätigt - Israel wird alles tun um ein Ende des Krieges zu verhindern.
Ausweichende Antworten im Weißen Haus
Zum Thema Israel und der Einbeziehung der Angriffe auf dem Libanon sagte (7) Trumps Pressesprecherin Karoline Leavitt in der Pressekonferenz auch, die Möglichkeit einer Ausweitung des zwischen den USA und dem Iran geschlossenen Waffenstillstandsabkommens auf den Libanon werde derzeit erörtert, aber laut ihren Angaben fällt der Libanon aktuell nicht unter das Waffenstillstandsabkommen:
- „Ich
bin sicher, dass darüber weiterhin zwischen dem Präsidenten und
Premierminister Netanjahu, den USA, Israel und allen beteiligten
Parteien gesprochen wird.
- Derzeit fallen die Libanesen jedoch nicht unter das Waffenstillstandsabkommen. Der Libanon ist nicht Teil des Waffenstillstands. Das wurde allen vom Waffenstillstand betroffenen Parteien mitgeteilt.“
Leavitt wies zudem Vermutungen zurück, Israel versuche, das Waffenstillstandsabkommen mit dem Iran zu untergraben:
- „Wie Sie wissen, hat Premierminister Netanjahu gestern Abend eine Erklärung abgegeben, in der er den Waffenstillstand und die Bemühungen der USA unterstützt. Er versicherte dem Präsidenten außerdem, dass Israel in den nächsten zwei Wochen ein konstruktiver Partner bleiben wird.“
- Außerdem
habe der amerikanische Präsident „gestern Abend mit Premierminister
Netanjahu telefoniert“ und in dem „privaten Gespräch“ habe
Premierminister Netanjahu „genau das bekräftigt, was er auch öffentlich
gesagt hat: Er unterstützt den Präsidenten und Israel bleibt ein wichtiger Verbündeter und Partner der USA“, fügte die Sprecherin des Weißen Hauses hinzu.