INES meldet historisch niedrigsten Gasspeicherfüllstand seit Aufzeichnungsbeginn - Zeitfenster für ausreichende Befüllung schließt sich. / Aktuelle EU-Erdgasfüllstände und -Kosten


Volker Fuchs 13.9.2026  

Die deutschen Gasspeicher könnten bereits Anfang Februar 2027 vollständig erschöpft sein sollte der kommende Winter kalt ausfallen, berichtete die DPA unter Berufung auf Daten der Initiative Energien Speichern (INES), dem deutschen Verband der Betreiber von Untergrundgasspeichern.

Experten nehmen an das im Bestfalle die deutschen Gasspeicher bis zum 1. November maximal zu 77 % gefüllt sein werden, da ein höherer Füllstand technisch nicht möglich ist. 

  • Im Falle eines extrem kalten Winters, wie beispielsweise 2010, würde jedoch auch diese Menge nicht ausreichen, um den Bedarf aller Verbraucher zu decken, was potenziell zu Brennstoffengpässen führen könnte. 
  • Am 12. September waren die Gasspeicher jedoch nur zu 55,39 % gefüllt, 19,41 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. INES hatte zuvor gewarnt, dass Deutschland aufgrund niedriger Gasspeicherstände mit ernsthaften Risiken für die Energieversorgung konfrontiert sein könnte. 
  • Nachfolgend eine Gesamtbetrachtung der Situation, auch im Abgleich mit anderen EU-Ländern unter Miteinbezug der EU-Erdgaskosten, die bereits jetzt einen Jahreshöchsstand mit knapp 80 €/MWh aufweisen und vermutlich weiter steigen werden, denn die Kämpfe zwischen den USA und dem Iran haben sich in den letzten zwei Wochen verschärft.  
  • Im Zentrum steht die Frage der Kontrolle über die Straße von Hormus. Die andauernde Blockade hat bereits rund 20 % der weltweiten LNG-Lieferungen unterbrochen, vor allem die Lieferungen aus Katar.
  • Europa hat Schwierigkeiten, seine erschöpften Lagerbestände wieder aufzufüllen; die Speicherkapazitäten liegen bei nur etwa 67 % und damit unter dem historischen Durchschnitt.  Doch Deutschland hat sogar noch 12 % weniger, obzwar BK Merz dies nicht als Problem ansieht (Letzte Bundestagsrede) 
Kapitelübersicht:
1.) INES-Gas-Szenarien: Historisch niedrige Speicherstände – Zeitfenster für ausreichende Befüllung schließt sich.
2.) AGSI - EU-Erdgasfüllstände in Prozent am 12.09.2026 um 6:00 Uhr. 
3.) Trading Economics: Datenlage EU-Erdgas am 12.09.2026 bei knapp 80 €/MWh mit Höchsstand seit Dez 2022
 
Zuerst der Bericht der  Initiative Energien Speichern e.V. (INES) einem Zusammenschluss von Betreibern deutscher Gas- und Wasserstoffspeicher.
  • Sie repräsentiert über 90 Prozent der deutschen und etwa ein Viertel der Gasspeicherkapazitäten in der Europäischen Union. Zentrale Aufgabe der INES ist es, die öffentliche Wahrnehmung der Beiträge deutscher Gas- und Wasserstoffspeicher zu den energiepolitischen Zielen zu fördern. Die Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, an der Gestaltung eines entsprechenden Marktrahmens mitzuwirken.
 1.) INES-Gas-Szenarien: Historisch niedrige Speicherstände – Zeitfenster für ausreichende Befüllung schließt sich.
https://energien-speichern.de/ines-gas-szenarien-historisch-niedrige-speicherstaende-zeitfenster-fuer-ausreichende-befuellung-schliesst-sich/    08.09.2026
Die deutschen Gasspeicher sind Anfang September nur zu rund 53 Prozent gefüllt – so niedrig wie zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Aufzeichnungen vor 15 Jahren nicht mehr. Das aktuelle September-Update der INES-Gas-Szenarien zeigt:
  • Technisch kann bis zum 1. November noch ein Füllstand von rund 77 Prozent erreicht werden. Entscheidend ist nun aber, ob die Speicherkunden ihre gebuchten Kapazitäten tatsächlich befüllen – und ob dies schnell genug geschieht.
  • Mit ihrem bereits veröffentlichten Aktionsplan hat die Initiative Energien Speichern e.V. (INES) konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, um die Speicherbefüllung kurzfristig zu stärken.

Die deutschen Gasspeicher starten mit einem historisch niedrigen Füllstand in die letzten beiden Monate der Befüllungsphase. Anfang September waren sie zu rund 53 Prozent gefüllt.

  • Im Vorjahr war dieses Niveau bereits Ende Juni erreicht worden. Anfang September 2025 lag der Füllstand bei rund 71 Prozent und damit rund 20 Prozentpunkte höher als heute.
  • Seit Beginn der Aufzeichnungen vor 15 Jahren wurde zu dieser Jahreszeit kein vergleichbar niedriger Speicherfüllstand verzeichnet. Die Wiederbefüllung ist damit im bisherigen Jahresverlauf deutlich hinter dem notwendigen Tempo zurückgeblieben.

77 Prozent sind technisch noch möglich – gebuchte Kapazitäten müssen jetzt befüllt werden

Die aktuellen INES-Modellrechnungen zeigen, dass bis zum 1. November 2026 technisch noch ein Speicherfüllstand von rund 77 Prozent erreicht werden kann. Damit könnte der Füllstand nahezu an den aktuellen Buchungsstand von rund 83 Prozent heranreichen.

Die technische Möglichkeit allein garantiert jedoch noch keine entsprechende Befüllung. Entscheidend ist, ob die Speicherkunden ihre gebuchten Kapazitäten tatsächlich nutzen und in den kommenden Wochen ausreichend Gas einspeichern.

Dafür müsste sich das Befüllungstempo erheblich erhöhen: In den verbleibenden zwei Monaten bis zum 1. November müssten insgesamt mehr Gasmengen eingespeichert werden als in den vergangenen drei Monaten zusammen. Bleibt die Befüllung auf dem derzeit niedrigen Niveau, wird auch der technisch noch erreichbare Füllstand im weiteren Verlauf sinken.

Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern e.V. (INES), kommentiert:

  •  „Die deutschen Gasspeicher sind für diese Jahreszeit historisch niedrig gefüllt. Zwar können wir technisch noch einen Füllstand von rund 77 Prozent erreichen. Dafür reicht es aber nicht, dass Speicherkapazitäten lediglich gebucht sind. Die Speicherbefüllung muss wirtschaftlich tragfähig sein, damit sie von Marktakteuren auch tatsächlich realisiert werden kann.“

Bei extrem kaltem Winter reichen 77 Prozent nicht aus

Wie wichtig eine möglichst starke Befüllung vor dem Winter ist, zeigt die Sensitivitätsanalyse der INES-Gas-Szenarien.

  • Bei normalen Wintertemperaturen wäre ein Füllstand von rund 77 Prozent zum 1. November nach den Modellrechnungen ausreichend, um die Gasversorgung im Winter 2026/27 vollständig zu gewährleisten. In diesem Szenario würden die Speicherfüllstände bis zum 1. April 2027 auf rund 38 Prozent sinken.
  • Bei extrem kalten Temperaturen reicht ein Füllstand von rund 77 Prozent hingegen nicht aus. An einzelnen Tagen im Januar kann es zu Unterdeckungen von über 25 Prozent kommen. Um die Gasversorgung auch bei extrem kalten Temperaturen vollständig gewährleisten zu können, sind deshalb ein höherer Buchungsstand und die tatsächliche Befüllung der gebuchten Kapazitäten erforderlich.

Aktionsplan von INES zeigt Maßnahmen für eine stärkere Befüllung auf

Ob die gebuchten Kapazitäten tatsächlich befüllt werden, hängt maßgeblich von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Die aktuellen Marktbedingungen setzen keine ausreichenden Anreize für eine stärkere Einspeicherung. Insbesondere die infolge der Sperrung der Straße von Hormus gestiegenen Gaspreise und der teilweise sogar negative Sommer-Winter-Spread erschweren die Speicherbefüllung.

  • INES hat deshalb mit ihrem Aktionsplan konkrete Maßnahmen vorgelegt, mit denen die Speicherbefüllung kurzfristig gestärkt werden kann. Dazu gehören eine vollständige Rabattierung der Netzentgelte an Speicheranschlusspunkten und die Abschaffung der Konvertierungsumlage für die Speichernutzung.
  • Darüber hinaus schlägt INES staatlich unterstützte, vergünstigte Finanzierungsmöglichkeiten – beispielsweise über die KfW – vor, um die Finanzierungskosten für einzuspeicherndes Gas zu senken.
  • Zusätzliche Ausschreibungen von Long-Term Options (LTO) können ebenfalls zusätzliche Einspeicherungen anreizen. Sie können nach Einschätzung von INES jedoch nur einen begrenzten Beitrag leisten und sollten deshalb als Bestandteil eines umfassenderen Maßnahmenpakets eingesetzt werden.

Speicher brauchen auch langfristig einen verlässlichen Rahmen

Über die kurzfristig erforderlichen Maßnahmen hinaus spricht sich INES für einen verlässlichen Rahmen aus, der eine ausreichende Speicherbefüllung und den Erhalt der für die Versorgungssicherheit benötigten Speicherkapazitäten dauerhaft gewährleistet. Dafür sollten wirtschaftliche Anreizmodelle, wirksam ausgestaltete Verpflichtungen oder eine Kombination beider Ansätze geprüft werden.

Ziel sollte ein Modell sein, das Versorgungssicherheit gewährleistet und zugleich möglichst große Spielräume für eine marktwirtschaftliche Speicherbewirtschaftung erhält.

HINTERGRUND ZU DEN INES-GAS-SZENARIEN:

INES modelliert fortlaufend die europäischen Gasmärkte, um die Sicherheit der Gasversorgung zu bewerten. Für das September-Update wurden die Szenarien auf Basis der realen Speicherfüllstände zum 1. September 2026 sowie aktualisierter Temperatur- und Verbrauchsdaten berechnet.

Eine ausführliche Beschreibung der Annahmen und Ergebnisse ist in der Dokumentation zum September-Update enthalten. Ein begleitender Foliensatz stellt die zentralen Inhalte übersichtlich dar.

INES veröffentlicht alle zwei Monate Updates zu den INES-Gas-Szenarien. Das nächste Update ist für den 10. November 2026 geplant.

Aktuelle Informationen zu den Gasspeicherfüllständen in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern können Sie jederzeit über die INES-Speicherkarte abrufen. Darüber hinaus können dort Speicherdaten nicht nur nach unterschiedlichen Speichertypen (Kavernen- und Porenspeicher) sondern auch nach Gasqualitäten (L-/H-Gas und Wasserstoff) gefiltert werden.

WEITERE INFORMATIONEN:

 

2.) AGSI - EU-Erdgasfüllstände in Prozent am 12.09.2026 um 6:00 Uhr. 
Wie man an der untenstehenden Tabelle erkennen kann, hat Deutschland derzeit einen extrem niedrigen Füllstand, auch im EU-Abgleich. Den besten Füllstand weist Polen auf , danach Portugal und an dritter Stelle liegt Italien.

Deutschland liegt an drittletzter Stelle. BK Merz  wird durch die Datenlage nicht bestätigt in seiner letzten Bundestagsrede in Erwiderung der AfD / Weidel. Ebenso war seine Angabe zum BIP-Wachstum von 1,5 % unzutreffend - denn das BIP-Wachstum liegt nach Angabe Trading Economics in Q2 2026 bei 0,3% in Q1 waren es noch 0,4%

c
4b  AGSI - EU-Erdgasfüllstände in Prozent: Stand am 12.09.2026 um 6:00 Uhr. https://agsi.gie.eu/
Nr Länder 12. Sep                      
      2026 2025 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
1  EU   67,78                        
2  Österreich 66,83                        
3  Belgien 59,14                        
4  Bulgarien 67,83                        
5  Kroatien 79,32                        
6  Tschechien 73,35                        
7  Dänemark 77,75                        
8  Frankreich 75,77   Differ                    
9  Deutschland 55,39 74,80 19,41                    
10  Ungarn 71,49                        
11  Italien   84,20                        
12  Lettland 47,05                        
13  Niederlande 51,68                        
14  Polen   97,63                        
15  Portugal 93,12                        
16  Rumänien 75,39                        
17  Slowakei 52,09                        
18  Spanien 73,44                        
19  Schweden 67,48                        
c

3.) Trading Economics: Datenlage EU-Erdgas am 12.09.2026 bei knapp 80 €/MWh mit Höchsstand seit Dez 2022
https://tradingeconomics.com/commodity/eu-natural-gas 
 
 
EU-Erdgas – Zusammenfassung: Die europäischen Erdgaspreise fielen am Freitag unter 81 €/MWh, blieben aber aufgrund anhaltender Lieferengpässe bei LNG aus dem Persischen Golf nahe ihrem höchsten Stand seit Dezember 2022.
  • Die Kämpfe zwischen den USA und dem Iran haben sich in den letzten zwei Wochen verschärft; im Zentrum steht die Frage der Kontrolle über die Straße von Hormus. Die andauernde Blockade hat bereits rund 20 % der weltweiten LNG-Lieferungen unterbrochen, vor allem die Lieferungen aus Katar.
  • Europa hat Schwierigkeiten, seine erschöpften Lagerbestände wieder aufzufüllen; die Speicherkapazitäten liegen bei nur etwa 67 % und damit unter dem historischen Durchschnitt.
  • Obwohl die Europäische Kommission erklärte, es bestehe in diesem Winter keine unmittelbare Gefahr für die Gasversorgungssicherheit, könnten anhaltende Lieferengpässe bei LNG aus dem Golf das globale Angebot weiter verknappen und Europa zwingen, verstärkt mit Asien und anderen Abnehmern um alternative Lieferungen zu konkurrieren.
  • Dies könnte die Preise mit steigender Heiznachfrage weiter in die Höhe treiben. Trotz des Rückgangs am Freitag liegen die europäischen Gaspreise in dieser Woche immer noch über 11 % höher und verzeichnen damit den fünften wöchentlichen Anstieg in Folge.
 
 

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