Mikroplastik aus Windrädern: EU-Kommission räumt erstmals offiziell Kunststoffabrieb ein / DEU-Abrieb bei 60.000 to auch dabei PFA u. BPA / Mikroplastik überall 6 Berichte.


Volker Fuchs 14.9.2026 
 
Sachverhalt: EU-Kommission bestätigt - Windräder verseuchen die Umwelt mit Mikroplastik – bis zu 62 kg pro Anlage und Jahr Die EU-Kommission hat in einer offiziellen Anfragebeantwortung an den freiheitlichen EU-Abgeordneten Gerald Hauser die Umweltverschmutzung durch Mikroplastik aus Windkraftanlagen nicht bestritten — und die norwegische Studie, wonach jährlich bis zu 62 Kilogramm Mikroplastik pro Windrad in die Umwelt gelangen, unwidersprochen stehen lassen.
  • Am 5. Juni 2026 reichte Gerald Hauser, EU-Abgeordneter der Patrioten für Europa (PfE), eine schriftliche Anfrage (E-002323/2026) an die EU-Kommission ein. Der Titel ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Umwelt- und Gesundheitsbelastung durch Mikroplastik aus Windkraftanlagen“
  • Hauser legte dar, was jeder, der schon einmal vor einem dieser industriellen Giganten stand und das Sirren der Rotorblätter hörte, längst ahnte: Bei Rotorgeschwindigkeiten von deutlich über 300 km/h wirken Regen, Wind, Hagel und Saharastaub wie Schleifpapier auf die Rotorblätter. Das Ergebnis: kontinuierlicher Abrieb von Kunststoffpartikeln, die ungefiltert in Luft, Böden, Gewässer und letztlich in die Nahrungskette gelangen.
  • Als Beleg führte Hauser eine norwegische Studie an, die zu einem alarmierenden Ergebnis kommt: Bis zu 62 Kilogramm Mikroplastik pro Windrad und Jahr können durch Erosion der Rotorblätter in die Umwelt freigesetzt werden. Bei den Tausenden Windrädern, die inzwischen Europas Landschaften und Küstengewässer zieren, summiert sich das auf  Abertausende von Tonnen an Kunststoffabrieb — Jahr für Jahr. 

Am 12. August 2026 traf die Antwort von EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall ein. Und die hat es in sich.

Was Roswall nicht tat, ist mindestens so bedeutsam wie das, was sie schrieb: Die norwegische Studie wurde an keiner Stelle bestritten. Kein Dementi, keine Gegendarstellung, kein „das ist wissenschaftlich widerlegt“ — nichts dergleichen. Stattdessen verschanzte sich die Kommission hinter Modellierungsstudien, die die Emissionen von Windkraftanlagen im Vergleich zu anderen Quellen wie Reifenabrieb oder Farben als „viel geringer“ darstellen. Zwei Studien werden zitiert:

  • Mishnaevsky et al. (2024), Microplastics Emission from Eroding Wind Turbine Blades: Preliminary Estimations of Volume, Energies 17, 6260
  • Caboni et al. (2025), Estimating microplastic emissions from offshore wind turbine blades in the Dutch North Sea, Wind Energy Science 10, 1123–1136

Doch genau hier liegt der Hund begraben: Beide Studien arbeiten ausschließlich mit Modellierungen. Keine Feldmessungen, keine Bodenproben, keine Untersuchungen an realen Standorten. Die Kommission vergleicht also hypothetische Zahlen mit hypothetischen Zahlen — und tut so, als wäre damit alles geklärt. Die Antwort von Roswall im Wortlaut kann man hier lesen: E-10-2026-002323-ASW_DE

 Und die Sachlage ergänzend, noch 2 weitere Berichte über die Abriebproblematik von Windrädern - mit Mikropartikeln, die giftige Stoffe wie PFAS und BPA enthalten. Und 6 verlinkte Berichte über die Mikroplastikbelastungen in Meeresflussmündungen,  Mittelmeer und dem menschlichen Körper
 
Kapitelübersicht:
1.) Mikroplastik aus Windrädern: EU-Kommission räumt erstmals offiziell Kunststoffabrieb ein
2.) Unsichtbare Umweltbelastung durch Windkraftanlagenabrieb - 60.000 to auch dabei giftige PFA / BPA
3.) Mikroplastikbelastungen in Meeresflussmündungen,  Mittelmeer und dem menschlichen Körper
  3.1 Mikroplastikverschmutzung in Flussmündungen (Europa)            
  3.2 Regulierungsmaßnahmen entlang der Lieferkette zur Eindämmung der Verschmutzung des Meeres durch Kunststoffgranulat (Europa)                                                                        
  3.3 Vorkommen von Mikroplastik im menschlichen Körper (Europa)                                                                        
  3.4 Verschmutzung des westlichen Mittelmeers (Europa) durch Kunststoffgranulat                                                                  
  3.5 Schutz des Mittelmeers: eine Priorität für die öffentliche Gesundheit (Europa)                                                                   
  3.6 Schutz des Mittelmeers vor Mikroplastikverschmutzung (Europa)
 
1.) Mikroplastik aus Windrädern: EU-Kommission räumt erstmals offiziell Kunststoffabrieb ein
https://blackout-news.de/politik/mikroplastik-aus-windraedern-eu-kommission-raeumt-erstmals-offiziell-kunststoffabrieb-ein/ 
September 13, 2026
Brüssel – Die EU-Kommission hat erstmals offiziell eingeräumt, dass Windkraftanlagen Kunststoffpartikel emittieren und dieser Abrieb unkontrolliert in die Umwelt gelangt.
  • Anlass war eine Anfrage des österreichischen EU-Abgeordneten Gerald Hauser. Er hatte auf eine Schätzung von bis zu 62 Kilogramm Mikroplastik je Windrad und Jahr verwiesen.
  • Diese Größenordnung übernimmt die Kommission zwar nicht. Den Kunststoffabrieb selbst bestätigt sie jedoch ausdrücklich und verweist dazu auf wissenschaftliche Untersuchungen.
  • Damit erhält eine bislang wenig beachtete Umweltbelastung ausgerechnet bei einer Stromerzeugung offizielle Bestätigung, die politisch als besonders umweltschonend gilt.

Mikroplastik aus Windrädern ist damit kein theoretisches Problem mehr

Die entscheidende Passage der Kommissionsantwort ist ungewöhnlich eindeutig. Dort heißt es:

  • „Aus Untersuchungen ergibt sich, dass die Kunststoffemissionen von Windkraftanlagen viel geringer sind als diejenigen aus anderen Quellen“. Damit diskutiert Brüssel nicht mehr darüber, ob Windräder Kunststoff freisetzen. Die Kommission relativiert vielmehr nur noch die Menge im Vergleich mit Reifen, Farben oder Textilien.

EU-Kommission bestätigt Mikroplastik-Abrieb an Windrädern: Partikel lösen sich von Rotorblättern und gelangen unkontrolliert in die Umwelt Symbolbild: KI-generiert 
 
Gerade dieser Punkt verändert die umweltpolitische Einordnung.
  • Windkraftanlagen stoßen im Betrieb keine Verbrennungsabgase wie Kohle- oder Gaskraftwerke aus. Dennoch sind sie deshalb keine emissionsfreien Industrieanlagen.
  • Regen, Hagel und Schmutz treffen mit hoher Geschwindigkeit auf die beschichteten Rotorblätter. Dadurch erodieren insbesondere die Vorderkanten, während Kunststoffmaterial aus den Schutzschichten verloren geht.

62 Kilogramm bleiben umstritten – der Abrieb dagegen nicht

Die von Hauser angeführten 62 Kilogramm pro Anlage stammen aus einer norwegischen Hochrechnung. Diese Zahl bestätigt die Kommission nicht ausdrücklich.

  • Allerdings verwirft sie die grundsätzliche Freisetzung ebenfalls nicht, sondern verweist auf andere Studien mit niedrigeren Werten. Eine DTU-Arbeit von 2026 kommt unter ungünstigen Bedingungen auf bis zu 340 Gramm Mikroplastik je Rotorblatt und Jahr. Bei drei Rotorblättern wären das rechnerisch rund ein Kilogramm pro Anlage.

Andere Berechnungen liefern wiederum abweichende Ergebnisse.

  • Eine 2024 veröffentlichte DTU-Studie ermittelte für Offshore-Anlagen zwischen 80 und 1.000 Gramm Kunststoffverlust je Blatt und Jahr.
  • TNO berechnete 2025 dagegen rund 240 Gramm jährlich für eine moderne 15-Megawatt-Offshore-Anlage. Deshalb ist die genaue Größenordnung weiterhin unsicher. Dass Kunststoff von den Rotorblättern abgetragen wird, bestreiten diese Arbeiten jedoch nicht. 

Selbst Wartungsarbeiten setzen zusätzliche Kunststoffpartikel frei

Hinzu kommt ein zweiter Emissionsweg. Bei Reparaturen schleifen Techniker beschädigte Oberflächen ab und bearbeiten Verbundwerkstoffe.

  • Eine Studie der Technischen Universität Dänemark beziffert die dadurch entstehenden Kunststoffemissionen auf 40 bis 160 Gramm je Blatt und Jahr an Land. Offshore reichen die Berechnungen sogar von 90 bis 600 Gramm. Damit entsteht Mikroplastik nicht nur durch Wettererosion, sondern auch während der Instandhaltung.

Bemerkenswert ist deshalb, dass die EU inzwischen selbst umfangreichere Untersuchungen verlangt.

  • Ein Horizon-Europe-Programm fordert Feldmessungen zu Umweltbelastungen von Offshore-Windparks während Betrieb, Wartung und Rückbau. Die Ausschreibung nennt ausdrücklich auch die Produktion von Kunststoffpartikeln bei einer hohen Zahl von Windkraftanlagen.
  •  Zudem sollen mögliche kumulative Folgen des massiven Offshore-Ausbaus untersucht werden. Damit räumt die EU zugleich ein, dass wichtige Teile der Umweltbilanz noch nicht abschließend erfasst sind.

Die Konsequenz daraus ist nicht, Windkraft pauschal mit Kohle oder Gas gleichzusetzen. Konventionelle Kraftwerke verursachen durch ihre Brennstoffe erhebliche zusätzliche Emissionen.

  • Allerdings greift auch die politische Darstellung der Windkraft als praktisch „saubere“ Stromquelle zu kurz. Bei fossilen Kraftwerken stehen Schadstoffausstoß, Filtertechnik und Grenzwerte seit Jahrzehnten im Mittelpunkt der Regulierung.
  • Bei Windrädern beginnt die systematische Betrachtung solcher stofflichen Emissionen dagegen erst vergleichsweise spät. Das offizielle Eingeständnis der Kommission macht diese Lücke nun sichtbar.

Verfasser: Blackout News

Mehr zum Thema weitere 3 Berichte:

 
2.) Unsichtbare Umweltbelastung durch Windkraftanlagenabrieb - 60.000 to auch dabei giftige PFA / BPA  
https://blackout-news.de/aktuelles/die-unsichtbare-umweltbelastung-durch-den-abrieb-an-windkraftanlagen/ 
Januar 10, 2025
Windkraftanlagen produzieren nicht nur saubere Energie, sondern auch Abrieb.
  • Jährlich lösen sich bis zu 100 Kilogramm Partikel von den Rotorblättern und verteilen sich in der Umgebung. Diese bestehen aus Mikropartikeln, die giftige Stoffe wie PFAS und BPA enthalten.
  • Beide Substanzen gelten als gesundheitsgefährdend und gelangen über Böden und Gewässer in die Umwelt, wo sie langfristige Schäden verursachen können (epochtimes: 04.01.25)

Entstehung und Umfang des Abriebs

Abrieb entsteht durch die extremen Kräfte, denen Windkraftanlagen ausgesetzt sind. Rotorblätter erreichen an ihren Spitzen Geschwindigkeiten von bis zu 400 km/h.

  • Der Wind trägt Partikel, Wassertropfen und Staub mit hoher Intensität gegen die Oberflächen der Anlagen. Dadurch lösen sich Mikropartikel, die in die Umgebung gelangen. Besonders betroffen sind die äußeren Bereiche der Rotorblätter, da sie stärkeren Belastungen ausgesetzt sind.
  • Über die Jahre summieren sich die abgetragenen Mengen erheblich. Bei modernen Anlagen mit einer Höhe von bis zu 300 Metern können jährlich etwa 100 Kilogramm Partikel freigesetzt werden.
  • Bei einer angenommenen Laufzeit von 20 Jahren und einem geplanten Ausbau auf 30.000 Windkraftanlagen in Deutschland ergibt sich eine Hochrechnung von bis zu 60.000 Tonnen Abrieb, die insgesamt in die Umwelt freigesetzt werden könnten. 

Problematische Materialien und ihre Gefahren

Die Zusammensetzung des Abriebs ist problematisch. Viele Rotorblätter bestehen aus Verbundmaterialien, die giftige Chemikalien wie PFAS und BPA enthalten.

  • Diese Stoffe gelten als schwer abbaubar und reichern sich in Böden und Gewässern an. PFAS, auch als „Ewigkeitschemikalien“ bekannt, stehen im Verdacht, krebserregend zu sein und die Gesundheit langfristig zu schädigen.
  • BPA wird mit Fruchtbarkeitsproblemen und hormonellen Störungen in Verbindung gebracht. Obwohl diese Substanzen bei der Herstellung streng reguliert sind, gelangen sie durch den Abrieb unkontrolliert in die Umwelt.

Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit

Die Auswirkungen auf Mensch und Natur sind erheblich.

  • Besonders in landwirtschaftlich genutzten Gebieten könnte der Abrieb langfristig die Bodenqualität beeinträchtigen. Durch Regen und Hagel sinken die Partikel oft in der Nähe der Anlagen zu Boden.
  • In trockenen Jahreszeiten besteht jedoch die Gefahr, dass sie durch Wind weiter verbreitet werden. Diese Kontamination betrifft nicht nur Böden, sondern auch Wasserquellen, die in die Nahrungskette gelangen können. 

Notwendige Maßnahmen und Forderungen

Mock betont, dass der Vergleich mit anderen Abriebquellen wie Autoreifen hier fehl am Platz ist.

  • Während Reifenabrieb meist auf Straßen entsteht und kontrolliert entsorgt werden kann, verteilt sich der Abrieb von Windkraftanlagen in unberührter Natur und auf landwirtschaftlichen Flächen. Die Partikel gelangen direkt in sensible Ökosysteme, deren langfristige Folgen noch nicht vollständig untersucht sind.
  • Erste Studien weisen darauf hin, dass Mikroplastik (Kap 3) nicht nur in die Umwelt, sondern auch in den menschlichen Körper gelangen kann. Funde von Mikroplastik im Gehirn und Blut zeigen, wie weitreichend die Auswirkungen dieser Partikel sein können.

Neben den gesundheitlichen Risiken entstehen auch wirtschaftliche Herausforderungen.

  • Reparaturen und Wartungen an den Rotorblättern sind aufwendig und kostspielig. Schäden an den Oberflächen nehmen mit der Zeit zu und erfordern regelmäßige Eingriffe. Zwar erleichtern moderne Technologien wie Drohnen und Roboter die Arbeiten, doch die Belastung bleibt ein ungelöstes Problem. Die Reparaturen müssen immer wieder durchgeführt werden, da sich der Abrieb nicht vollständig vermeiden lässt.

Handlungsbedarf beim Windkraftausbau

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, fordert Mock eine kritischere Auseinandersetzung mit den Folgen des Windkraftausbaus.

  • Der Einsatz von giftigen Stoffen in den Rotorblättern sollte verboten und durch ungefährlichere Alternativen ersetzt werden. Zudem bedarf es klarer gesetzlicher Regelungen, um den Abrieb zu minimieren und die Belastungen für Anwohner sowie landwirtschaftliche Flächen zu reduzieren.
  • Mock warnt, dass ohne solche Maßnahmen langfristige Schäden entstehen könnten, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. 

Mit dem weiteren Ausbau der Windenergie könnten diese Probleme zunehmen.

  • Besonders die neuen, immer größeren Anlagen stellen eine Herausforderung dar. Ihre höhere Leistung und die größere Oberfläche der Rotoren führen zu einem stärkeren Abrieb, der noch gravierendere Auswirkungen auf die Umwelt haben dürfte.
  • Dennoch bleibt der Abrieb ein weitgehend unbeachtetes Thema. Es liegt an Politik und Industrie, Lösungen zu finden, bevor die Belastungen außer Kontrolle geraten.

Mehr zum Thema weitere 4 Berichte:

3.) Mikroplastikbelastungen in Meeresflussmündungen,  Mittelmeer und dem menschlichen Körper
 Alle Artikel sind verlinkt - Auruf per Mausklick
3.1 Mikroplastikverschmutzung in Flussmündungen (Europa)                                                                        
https://politique.pappers.fr/question/microplastics-pollution-in-estuaries-QECR822272                                                                    
3.2 Regulierungsmaßnahmen entlang der Lieferkette zur Eindämmung der Verschmutzung des Meeres durch Kunststoffgranulat (Europa)                                                                        
https://politique.pappers.fr/question/regulatory-supply-chain-measures-to-stop-plastic-pellet-pollution-in-the-sea-QECR894969  3.3 Vorkommen von Mikroplastik im menschlichen Körper (Europa)                                                                        
https://politique.pappers.fr/question/presence-of-microplastics-in-humans-QECR877769                                                                   3.4 Verschmutzung des westlichen Mittelmeers (Europa) durch Kunststoffgranulat                                                                  
https://politique.pappers.fr/question/safeguarding-the-mediterranean-sea-public-health-priority-QECR1025076                              3.5 Schutz des Mittelmeers: eine Priorität für die öffentliche Gesundheit (Europa)                                                                   
https://politique.pappers.fr/question/safeguarding-the-mediterranean-sea-public-health-priority-QECR1025076                             3.6 Schutz des Mittelmeers vor Mikroplastikverschmutzung (Europa)                                                                        
https://politique.pappers.fr/question/protecting-the-mediterranean-from-microplastic-pollution-QECR1009641                                                                         
 

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