Volker Fuchs 5.7.2026
Von Dmitri Petrowski 28 Juni 2026 17:01 Uhr
Russen nehmen aktuell nach langem Verdrängen zur Kenntnis, dass Deutschland sich auf einen neuen Feldzug gegen ihre Heimat vorbereitet.
Die Reihe der Artikel in der Presse, die das thematisieren, reißt nicht
ab. Heute stellen wir dem deutschen Leser einen weiteren vor.
- In Deutschland wird die Rückkehr zur Wehrpflicht immer intensiver diskutiert. Thomas Röwekamp (CDU), Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des Bundestages, ist der Ansicht, dass dies notwendig sein wird, sollte sich das Konzept der Freiwilligenrekrutierung nicht bewähren. Und es bewährt sich nicht.
- Innerhalb eines halben Jahres verschickte die deutsche Regierung 300.000 Fragebögen, die von Männern ausgefüllt werden mussten, während Frauen dies freiwillig tun konnten.
- Letztendlich haben die Frauen die Initiative einfach ignoriert (nur vier Prozent füllten den Fragebogen aus), während sich die jungen Männer zwar fügten (wie könnte es auch anders sein!), sich aber nur 500 von ihnen zum Militärdienst meldeten. Offensichtlich nicht das Ergebnis, mit dem die deutsche Regierung gerechnet hatte.
Wir
haben wiederholt darüber berichtet, dass sich die deutsche Gesellschaft
verändert hat. Ein halbes Jahrhundert antimilitaristischer Propaganda
hat ihre Wirkung gezeigt:
- Die Jugend will weder
kämpfen noch einfach nur in der Kaserne herumhängen – selbst angesichts
steigender Arbeitslosigkeit einerseits und hervorragender Gehälter bei
der Bundeswehr andererseits ist der Militärdienst das Letzte, wofür sie sich entscheiden würde: das Los der Außenseiter.
- An einen Krieg mit Russland glaubt trotz der regelrechten Hysterie der offiziellen Propaganda kaum jemand, und selbst wenn, wollen sie an diesem Krieg nicht teilnehmen. Das ist alles richtig. Nur zeigen die Ereignisse der letzten Jahre, dass es auf der Welt nichts Unumkehrbares gibt.
Während der Corona-Pandemie wurde denselben Deutschen eine der grundlegendsten Freiheiten genommen – die Bewegungsfreiheit – und abgesehen von ein paar Widerspenstigen hat die Gesellschaft dies hingenommen.
- Anschließend wurde der BRD durch die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines der günstige Brennstoff entzogen – niemand hat auch nur einen Mucks von sich gegeben. Derzeit wird die deutsche Industrie von außen zermürbt und buchstäblich dazu gezwungen, auf Kriegskurs umzuschwenken.
- Es gibt keinen einzigen Deutschen (außer denen, die in der Regierung sitzen), der der Meinung wäre, dass das, was gerade geschieht, gut und richtig ist. Doch der eingeschlagene Kurs ändert sich nicht.
Deutschland hat im Jahr 2011, also vor etwa 15 Jahren, die Wehrpflicht abgeschafft.
- Der
erste Bundeskanzler, der öffentlich für die Verbrechen des
Nationalsozialismus Buße tat und vor dem Denkmal im Warschauer Ghetto
auf die Knie ging, war Willy Brandt im Jahr 1970.
- Vom
Zusammenbruch der UdSSR bis zum Konflikt in der Ukraine sind 30 Jahre
vergangen, das heißt, etwa so lange wird Russland nicht als Bedrohung
für den Westen angesehen.
Uns
scheint es, als sei die Welt, in der wir bis vor Kurzem gelebt haben,
normal, doch in Wirklichkeit existierte sie nur ganz kurze Zeit – aus
historischer Perspektive gesehen war sie nur eine Randnotiz.
- Das pazifistische Deutschland, das Deutschland, das seinen historischen Fehler erkannt hat, ist ein Kleinkind im Vergleich zu dem Deutschland, das auf dem Exerzierplatz marschiert, Militärdoktrinen ausarbeitet und neue Waffen entwickelt.
- Ein
halbes Jahrhundert lang versuchten die Deutschen, die Welt davon zu
überzeugen, dass sie Dichter, Musiker, Ingenieure seien – kurz gesagt:
alles Mögliche, nur keine Nazis. Die Welt nickte zustimmend, glaubte es
aber dennoch nicht ganz.
- Nach
Ablauf des ersten Viertels des 21. Jahrhunderts hörten sie einfach auf,
sich anzustrengen, und beschlossen, in einen gewohnten historischen
Zustand zurückzukehren – und alle schienen wie erleichtert aufzuseufzen.
Nein, die Jugend brennt nach wie vor nicht darauf, Krieg zu führen.
Aber sie wird höchstwahrscheinlich nicht gefragt werden.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel wurde für den Telegram-Kanal "Exklusiv für RT" verfasst.
Mehr zum Thema – 85 Jahre später: Deutschland bereitet sich wieder darauf vor, Russland anzugreifen
Seit
Jahresbeginn erhalten Volljährige in Deutschland vom
Verteidigungsministerium initiiert einen Bundeswehr-Fragebogen zum Thema
der erhofften Karriere bei der Truppe.
- Seit fünf Monaten werden die Bundeswehr-Fragebögen an junge Männer und Frauen verschickt. Parallel sollen seit Jahren YouTube-Formate die Entscheidung manipulierend vereinfachen.
- Ausgehend von den Auswertungen ergaben sich nach 298.200 Briefen dabei mehr als ernüchternde Realitäten
Für
die neue Wehrerfassung hat die Bundesregierung über das
Verteidigungsministerium seit Januar dieses Jahres rund 300.000
Fragebögen versendet.
- Die
Auswertung belegt laut Medienberichten, dass das Pistorius-Ministerium
vorerst auf die klassische Rekrutierung zum Zwecke der Truppenstärkung
mit neuen Soldaten und Soldatinnen vertrauen muss.
- So konnten laut ZDF-Auswertung (1) aus den insgesamt 298.200 Schreiben gerade einmal "0,18 Prozent der Angeschriebenen" erfolgreich für die Bundeswehr rekrutiert werden.
Zu
Jahresbeginn informierte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius
darüber, dass sein Ministerium ab sofort Fragebögen an junge Männer und
Frauen verschicken wird, um darüber erhoffte Freiwillige für den
Wehrdienst gewinnen zu können.
- Parallel
versucht das BmfV-Social Media-Team in regelmäßig neuen Formaten auf
YouTube Jugendliche für die Truppe zu begeistern, so exemplarisch
aktuell bewerbend in Berlin.
Rund
fünf Monate nach Beginn der Wehrerfassung aller 18-Jährigen zieht das
Verteidigungsministerium laut Agenturmeldungen eine mehr als enttäuschende erste Bilanz. So heißt es beim ZDF zum Anliegen des Schreibens:
- "Darin
wird ihr Interesse am neuen Freiwilligen Wehrdienst, der mindestens
sechs Monate dauert, abgefragt. Männer müssen den dazugehörigen
Fragebogen ausfüllen, Frauen dürfen – ohne Verpflichtung.
- Aus diesem Pool konnten bisher etwa 530 rekrutiert werden, die ihren Wehrdienst in diesem Jahr antreten. Das sind 0,18 Prozent der Angeschriebenen." (1,8 je tausend Angeschriebene / 18 je 10.000)
Auf
Grundlage der vorliegenden Rücksendungen seien demnach bisher rund
1.500 Musterungen beziehungsweise sogenannte "Assessments" durchgeführt
worden, "rund 600 weitere Termine seien vorgesehen."
- Mit 96 Prozent Rückmeldung kamen fast alle männlichen Briefempfänger der Verpflichtung nach. In den übrigen Fällen "werde nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren geprüft." Bei den Frauen betrug die Antwortquote demnach "lediglich rund vier Prozent".
- Unter
den jungen Männern habe laut Agenturmeldung "mehr als jeder Fünfte ein
Interesse am Wehrdienst" geäußert. Viele Interessierte seien jedoch
aufgrund ihres laufenden Schulbesuchs oder einer begonnenen Ausbildung
frühestens erst in ein oder zwei Jahren verfügbar.
Unabhängig
von dieser anvisierten Bevölkerungsgruppe würde laut ZDF-Artikel die
Truppe nach Angaben des Ministeriums aktuell wachsen.
- So
hätten sich im ersten Halbjahr "insgesamt rund 10.000 Interessenten
anderer Altersgruppen zum Freiwilligen Wehrdienst gemeldet", das wären
rund acht Prozent mehr als im Vorjahr. Die Abbruchquote bleibe dabei jedoch konstant hoch, "so beendet im Schnitt jeder Vierte den Wehrdienst vorzeitig."
- Angesichts
dieser Realitäten hält es der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses
im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), nach Medienanfrage "für verfrüht, eine Wiedereinführung der Wehrpflicht auszuschließen".
- "Die
bisher vorliegenden Rückmeldungen aus dem Fragebogen zum neuen
Wehrdienst enthalten Licht und Schatten", erklärte er gegenüber dem
SPD-nahen RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).
- Röwekamp
zeige sich nichtsdestotrotz erfreut, dass "so viele junge Menschen der
Aufforderung zur Beantwortung der Fragen nachgekommen sind." Enttäuscht
sei er über die geringe Rückmeldequote unter jenen, die nicht gesetzlich
zur Antwort verpflichtet seien – den Frauen.
Ziel des neuen Wehrdienstgesetzes ist es, die Zahl der aktiven Bundeswehrsoldaten bis 2035 von derzeit gut 184.000 auf 255.000 bis 270.000 zu erhöhen.
- Insgesamt
liege die Personalgewinnung der Bundeswehr seit Jahresbeginn "zehn
Prozent über dem Vorjahresschnitt", man erwarte wieder ein "Rekordjahr",
heißt es in einer Mitteilung aus dem BmfV.
- Dazu würden jedoch nicht nur Soldaten und Soldatinnen zählen, sondern auch IT-Techniker, Ingenieure und andere Berufsgruppen.
(1) Fragebogenaktion bringt Bundeswehr etwa 530 Rekruten
https://www.zdfheute.de/politik/bundeswehr-wehrdienst-freiwilligkeit-18-jahre-brief-pistorius-100.html
Mehr zum Thema – Grünen-Chef Banaszak: Bei AfD-Verteidigungsminister sollten junge deutsche Soldaten desertieren