Grönland: Ein Aspekt zeigt eindeutig, dass es Trump nicht um Sicherheitsaspekte geht


Volker Fuchs 16.1.2026
 
Grönland: Ein Aspekt zeigt eindeutig, dass es Trump nicht um Sicherheitsaspekte geht
https://web.de/magazine/politik/us-politik/aspekt-zeigt-eindeutig-trump-sicherheitsaspekte-41790282 
Aktualisiert am 15.01.2026, 19:09 Uhr
 
US-Präsident Trump betreibt mit seinem Griff nach Grönland "Großmachtpolitik", wie Experte Fella sagt. In Venezuela kam er damit durch.
  • Ob er auch im Streit mit Dänemark gut lachen hat, entscheidet nicht zuletzt die Reaktion der anderen NATO-Partner
  • Dr. Tobias Fella ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Friedens- und Sicherheitsforschung an der Universität Hamburg (IFSH). Er hat zur amerikanischen Außenpolitik promoviert und befasst sich mit Großmachtbeziehungen im Kontext des Ukrainekriegs.
US-Präsident fordert die Kontrolle über Grönland, Dänemark sagt "Nein!". Ein Treffen in Washington blieb ergebnislos, die Fronten sind verhärtet. Wie kann es jetzt weitergehen – droht wirklich ein militärischer Konflikt USA gegen Dänemark, Nato gegen Nato?
Ein Interview von Marie Illner

Für US‑Präsident Donald Trump steht weiterhin fest: Grönland muss künftig zu den USA gehören – notfalls auch mit militärischem Druck. Nach Gesprächen in Washington mit dem dänischen Außenminister Rasmussen und seiner grönländischen Kollegin Motzfeldt haben beide Seiten erneut ihre Positionen ausgetauscht. Das Ergebnis: Man ist sich einig, dass man sich uneinig ist.

Experte Tobias Fella ordnet die Lage ein und sagt: "Washington verfügt über Möglichkeiten, Grönland auch ohne militärische Gewalt in Besitz zu nehmen."

1.) Nach dem Gipfel wurde von allen Beteiligten Einigkeit und Dialogbereitschaft betont. Die USA, Dänemark und Grönland haben sich auf die Einrichtung einer Arbeitsgruppe geeinigt, die einen Kompromiss finden soll. Ist das glaubwürdig?

Tobias Fella: Die US-Regierung betonte im und nach dem Treffen, weiterhin die Absicht zu verfolgen, die Insel auf die eine oder andere Weise in ihren Besitz zu bringen. Für Dänemark und Grönland dürfte es daher vor allem darum gegangen sein, Zeit zu gewinnen und einen Eklat – wie zwischen Präsident Trump und Präsident Selenskyj am 28. Februar 2025 – zu vermeiden. Diese Zielsetzung deckt sich mit der Haltung anderer europäischer Staaten und Kanadas, die auch eine Eskalation durch die USA vermeiden wollen. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben.

 2.) Hat der Gipfel die Position Grönlands tatsächlich gestärkt – oder liegt die entscheidende Macht weiterhin bei Washington und Kopenhagen?

Die US-Regierung übt Druck aus. Laut einer Umfrage vom Januar 2025 würden 85 Prozent der Grönländer den Verbleib im Königreich Dänemark bevorzugen, während nur 6 Prozent einen Anschluss an die Vereinigten Staaten befürworten. Gegenwärtig sind weniger als 200 US-Soldaten auf Grönland stationiert – im Kalten Krieg waren es mehr als 10.000. Heute betreiben die USA nur noch eine einzige Militärbasis auf der Insel, während es früher eine Vielzahl davon gab. Dänische Vertreter haben sich wiederholt offen für eine stärkere US-Präsenz gezeigt.

3.) Worum geht es Trump in der Grönlandfrage wirklich? Was folgt daraus?

Daraus lässt sich schließen, dass Sicherheitsaspekte für Washingtons Annexionspläne zweitrangig sind. Im Vordergrund stehen strategische Interessen: Territorium, geopolitische Lage und Rohstoffe. Im Kern betreibt Washington hier klassische Großmachtpolitik.

4.) Es wurden zwar keine neuen größeren Truppenstationierungen angekündigt, wohl aber eine engere sicherheitspolitische Abstimmung. Wie ist die Entsendung deutscher Soldaten nach Grönland einzuordnen?

Deutschland ist nicht das einzige Land, das eine Truppenentsendung angekündigt hat. Auch Frankreich, die Niederlande, Schweden, Norwegen und Kanada wollen sich beteiligen. Dabei geht es offenbar auch darum, politische Haltung in konkretes Handeln zu übersetzen: Die europäische Botschaft lautet, dass Entscheidungen über Grönland ausschließlich Dänemark und Grönland zustehen. Für die US-Regierung müssen Ansprüche machtpolitisch untermauert werden. Von europäischer und kanadischer Seite sind die Truppenentsendungen ein Versuch, genau dies zu tun.

5.) Es handelt sich nur um eine kleine Zahl deutscher Soldaten – also nur ein politisches Signal und nicht der Beginn eines langfristigeren Engagements in der Arktis?

Deutschland verfügt über Leitlinien zur Arktispolitik, die im September 2024 veröffentlicht wurden.
  • Darin wird die wachsende Bedeutung der Region betont – damals vor allem im Kontext des Klimawandels und der Konfrontation mit Russland.
  • Dass auch von den USA eine sicherheitspolitische Bedrohung ausgehen könnte, war damals kaum absehbar.
  • Laut einer heutigen Mitteilung des Verteidigungsministeriums beteiligt sich die Bundeswehr an einer "multinationalen Erkundung in Grönland".

Mit welchem Ziel?

 Die Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung Dänemarks bei der Gewährleistung der Sicherheit in der Region zu evaluieren.

  • Dadurch soll eine Grundlage für weitere Gespräche und Planungen im Rahmen der Nato geschaffen werden.
  • Eine Verstetigung des deutschen Engagements erscheint daher möglich.
  • Offiziell dient die Mission der Reaktion auf russische und chinesische Aktivitäten in der Arktis.
  • Zu beachten ist aber, dass die Region groß ist und es unterschiedliche Sicherheitslagen gibt.
  • Grönland ist in diesem Kontext wenig direkt bedroht, zumindest nicht durch Moskau oder Peking.

6.) Offiziell handelt es sich um eine defensive Präsenz. Wie realistisch ist dennoch das Risiko von Zwischenfällen, etwa durch Missverständnisse oder konkurrierende militärische Aktivitäten?

Die amerikanischen und europäischen Streitkräfte kooperieren seit Jahrzehnten eng innerhalb der Nato, führen gemeinsame Übungen durch und haben unter anderem in Afghanistan Seite an Seite gekämpft.

  • Das gilt besonders für Dänemark, einem der treuesten US-Bündnispartner.
  • Deshalb dürfte die Gefahr von Missverständnissen geringer sein als zwischen feindlichen Mächten.
  • Auf der anderen Seite ist in den USA derzeit vieles möglich und das kann Unklarheit erzeugen – nicht zuletzt in Krisensituationen, in denen schnell gehandelt werden muss.

7.) Könnte es im Extremfall sogar zu ernsthaften Gefechten kommen, auch mit US-Soldaten?

 Ausschließen lässt sich das nicht.
  • Ein Grund dafür ist, dass US-Politik anders als in der Vergangenheit funktioniert.
  • An die Stelle eines bürokratischen Staates, in dem idealerweise auf Grundlage nationaler Interessen und Fachexpertise entschieden wird, treten personalistische Netzwerke, in denen Führungspersonen mit wenig Einschränkungen handeln können.
  • Unter derartigen Bedingungen kann es an Berechenbarkeit mangeln, was dann eskalationsfördernd sein kann.
  • Dass der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen kürzlich daran erinnerte, dass der Befehl lautet, dass man das Königreich verteidigen muss, wenn es angegriffen wird, spricht Bände.

8.) Nach dem Gipfel war wiederholt von Abschreckung, aber auch von Deeskalation die Rede. Reicht diese Balance aus, um die wachsenden geopolitischen Spannungen in der Arktis einzudämmen?

 Das bleibt abzuwarten und hängt stark von den innenpolitischen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten ab. Washington verfügt über Möglichkeiten, Grönland auch ohne militärische Gewalt in Besitz zu nehmen – etwa durch ein "Freies Assoziierungsabkommen" nach Vorbild jener mit Mikronesien, den Marshallinseln und Palau.

Was heißt das konkret?

 Solche Verträge sichern den Partnerstaaten zwar ihre völkerrechtliche Souveränität zu, übertragen aber bestimmte hoheitliche Aufgaben an die USA.

  • Eine Option wäre daher, Grönland zu einem Referendum über die Unabhängigkeit von Dänemark zu drängen und diesen Prozess gezielt zu beeinflussen.
  • Für Europa, das bereits durch Russland unter Druck steht, wäre das eine zusätzliche Belastung – und vermutlich ist sich Washington dessen bewusst.

9.) Ist der Gipfel aus Ihrer Sicht der Abschluss eines diplomatischen Prozesses oder der Beginn einer neuen Phase strategischer Positionierung in der Arktis?

Ich würde es anders formulieren:

  • Er ist ein Ausdruck davon, dass sich die Weltordnung derzeit fundamental verändert.
  • Wer glaubt, dass es absehbar eine Rückkehr zum Status-Quo vor dem russischen Überfall auf die Ukraine von 2022 und erst recht vor Beginn der zweiten Trump-Präsidentschaft von 2025 geben wird, der irrt.
 
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