SV Investigativ 8: Tom-Oliver Regenauer - Die Dunkle Aufklärung u.a. Peter Thiel - Palantir und die Komplettüberwachung der Menschheit auch Smartwatches / Fitnessarmbänder - kein Datensatz ist tabu
Volker Fuchs 5.6.2025
Hinweis: SV Investigativ 1 -7 ist belegt mit den 7 Kapiteln für Fall Epstein (Kap 3-7 fehlen noch - Gesamtumfang rd. 100 Seiten)
Nachfolgend
eine lesenswerte investigative Recherche von Tom-Oliver Regenauer die
ich informativ in den Verteiler stelle u.a. über:
Palantir, dem von Peter Thiel gegründeten Spionage- und Killerkonzern zur flächendeckenden Überwachung der Bevölkerung
- Vom
»Paten« der PayPal-Mafia und Geheimdienst-Frontmann zum Palantir-Boss
und Bilderberg-Leitungsmitglied – und nun einflussreichsten Mann hinter
der US-Regierung.
- Ohne
Peter Thiels finanzielle Unterstützung wäre JD Vance weder
Geschäftsmann noch Senator in Ohio oder US-Vizepräsident geworden
So verwundert es kaum, dass Palantir bereits 100 Tage nach Donald Trumps Amtsantritt Zugriff auf sämtliche Steuer-, Gesundheits- und Bewegungsdaten der US-Bevölkerung hat und diese in einer Datenbank zusammenführt, um seine KI darauf anzusetzen.
- Selbst die Speicher von Smartwatches und Fitness-Armbändern werden angezapft. Kein Datensatz ist mehr tabu.
- Denn Palantirs zentralisierter Datenpool wird sich zum mächtigsten Unterdrückungsinstrument der Zivilisationsgeschichte
auswachsen – und in nicht allzu ferner Zukunft auch gegen jene
MAGA-Anhänger eingesetzt werden, die solch faschistoide Vorgänge derzeit
noch bejubeln.
- Inzwischen
ist Palantir, das von ihm mitgegründete Datenanalyseunternehmen, zu
einem Giganten herangewachsen und profitiert von riesigen
Regierungsaufträgen. Fast die Hälfte seiner Einnahmen stammt
mittlerweile aus öffentlichen Mitteln
Oder
das Project Maven« auf ein Memorandum des US-Verteidigungsministeriums
vom 26. April 2017 zurückzuführen und hatte zum Ziel, ein
»funktionsübergreifendes Team für algorithmische Kriegsführung« zu schaffen.
- Auflösung, Verlassen demokratischer Strukturen, Tech-Feudalismus.
- Für einen digitalen Gulag und Gewalt gegen Andersdenkende. Für die Abschaffung universeller Menschenrechte.
Die Dunkle Aufklärung
https://www.regenauer.press/die-dunkle-aufklaerung Tom-Oliver Regenauer | 10.5.2025
Palantir, der von Peter Thiel gegründete Spionagekonzern – Slogan:
- Die Software ist das Waffensystem – gewinnt in Washington massiv an Einfluss
- Auch US-Medien erkennen, dass »Donald Trump Peter Thiels erfolgreichstes Investment ist
- Kein Wunder, hat Thiel mit seinem Protegé JD Vance doch einen direkten Draht ins Oval Office.
- Während
die Freude über Trumps Wahlsieg vor Ort dem blanken Entsetzen weicht,
scheint es geboten, zu untersuchen, welcher Philosophie das, im
negativen Sinne, abolitionistische und weitverzweigte »Thiel-Verse« eigentlich folgt.
Europäischer Tunnelblick
In unseren Breiten sprach man schon seit jeher gerne davon, dass »Amerika den Europäern immer voraus« ist.
- Dass »der alte Kontinent« stets zehn Jahre im Hintertreffen ist.
- In der Finanzbranche attestierte man auch gerne mal einen Rückstand von »20 Jahren«.
- Bemängelt
wurde im Rahmen solcher Analysen zumeist die mangelnde Innovationskraft
europäischer Unternehmen, die gemäß einschlägiger Experten vor allem
auf die Regulierungswut der hiesigen Bürokratie zurückzuführen ist.
- Langwierige
Genehmigungsprozesse, kompliziertes Steuerrecht, zu kleine
Kapitalmärkte und komplexe Datenschutzanforderungen schrecken Gründer
und Investoren ab.
- »Bürokraten regulieren Europa zu Tode«, bringt es der Ökonom und Unternehmer Dirk Specht am 29. November 2024 auf den Punkt.
- Aus Sicht des Entrepreneurs eine durchaus nachvollziehbare Einordnung.
Denn selbst wenn die Hürden der Unternehmensgründung einmal überwunden sind, machen Bürokratiekosten selbst in kleinen Firmen knapp drei Prozent vom Umsatz aus.
- Im
industriellen Mittelstand übersteigen sie nicht selten die jährliche
Bruttoumsatzrendite von durchschnittlich fünfeinhalb Prozent.
- Von
den arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen – siehe Kündigungsschutz,
Urlaubsanspruch und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – gar nicht erst
anzufangen.
- In puncto Flexibilität ist Europa für Unternehmer also tatsächlich nur bedingt attraktiv.
Ganz anders die USA.
- Deregulierung, Seed-Capital en Masse und ein Arbeitsrecht, das den Slogan »Hire and fire« weltberühmt machte – gemäß Tagesschau vom 11. Februar 2025 übrigens ein Modell, das dank Microsoft, Meta und SAP langsam auch in Deutschland Einzug hält.
- Diese unternehmerische Freiheit – oder Zügellosigkeit – machte Amerika zum Start-up-Inkubator.
- Zum Gründerparadies. Wall Street, Motorcity, Silicon Valley, Hollywood, et cetera.
- Ein Mekka für Investoren. Und ein Alptraum für Arbeitnehmer.
Alles richtig. Oberflächlich betrachtet.
- Dass
bei dieser sehr kurzsichtigen Analyse stets außer Acht gelassen wird,
welchen Anteil die beiden Weltkriege, angloamerikanische Finanzdynastien, halbseidene NGO-Netzwerke und
vor allem über ein Dutzend Geheimdienste an Amerikas
Wirtschaftswachstum der vergangenen 100 Jahre haben, trübt den Blick der
europäischen Unternehmergarde allerdings nachhaltig.
- Denn er negiert den historischen Kontext.
- Vermutlich läuft Roger Köppels Editorial für DIE WELTWOCHE vom 01. Mai 2025 deshalb immer noch ungeniert unter dem Titel »Hoffnungsträger Trump«.
Ich habe täglich Kontakt mit Geschäftspartnern in den USA – und bei denen ist von Hoffnung nicht (mehr) viel zu spüren.
- Begriffe wie Planungsprobleme, Stornierung, Unsicherheit oder Lieferengpass fallen dagegen immer häufiger.
- Investor’s Business Daily nannte
den Zustand vor wenigen Stunden »ein Erdbeben«, weil Trumps
»Handelskrieg-Tsunami« nun auch die Häfen der Vereinigten Staaten
erreicht hat.
- Die laufen langsam leer. Frachter und Tanker mit Importwaren löschen ihre Ladung nicht. Oder kommen gar nicht mehr an.
- Die
auf Basis von Strafzöllen zu erwartenden Lieferengpässe »könnten die
Folgen der COVID-Krise übertreffen«, konstatiert das Investment-Magazin.
Was also passiert gerade in den Vereinigten Staaten?
- Sollte
Europa tatsächlich neidisch auf die vermeintlichen Wettbewerbsvorteile
Amerikas sein – oder gar auf die aktuellen politischen Entwicklungen?
Auf Effizienzsteigerung der Marke DOGE? Nein, keinesfalls.
- Denn
zum einen sorgen die turbokapitalistischen Exzesse im »Land der
unbegrenzten Möglichkeiten« dafür, dass Arbeitnehmer endgültig zu
Lohnsklaven degradiert werden, die den Launen von Märkten und
Unternehmen relativ schutzlos ausgeliefert sind.
- Zum
anderen beruht der Erfolg amerikanischer Konzerne keineswegs auf deren
Innovationskraft, einem laxen Arbeitsrecht oder genialem Unternehmertum,
sondern primär auf tiefenstaatlichem Interventionismus.
- Das gilt seit dem Jahrtausendwechsel vor allem für die Tech-Branche.
- Denn die USA sind nicht einfach eine Wirtschaftsmacht, sondern der militärische Arm des angloamerikanischen Empire.
Das zeigen die »Glorreichen Sieben« – Google, Microsoft, Apple, Amazon, Alphabet, Meta, Tesla und Nvidia – die allesamt erst durch Startfinanzierung seitens Militär und Geheimdiensten wurden, was sie heute sind: Die Speerspitze des technokratischen Totalitarismus.
- Nachdem selbst The Economist am 10. Dezember 2024 feststellte, dass mit der Wiederwahl von Donald Trump nun »die PayPal-Mafia die US-Regierung übernimmt«, sollte man in unseren Bereiten also eventuell etwas kritischer begutachten, was die entsprechenden Konzerne dort treiben.
- Denn es ist angesichts von Agenda 2030, aktuellen EU-Programmen, EZB-Planungen und einer Kriegswirtschaft kolportierenden Bundesregierung unter BlackRock-Merz nicht davon auszugehen, dass es dieses Mal zehn oder zwanzig Jahre dauert, bis diese Entwicklungen auch bei uns ankommen.
Palantir & DOGE
Das bezieht sich insbesondere auf Elon Musks DOGE – das »Department of Government Efficiency« – eine neu geschaffene Behörde, die sich auf Effizienzsteigerung in Sachen Regierungsgeschäfte konzentrieren soll.
- Dies
selbstredend unter flächendeckender Zuhilfenahme von KI (Künstlicher
Intelligenz), die wiederum auf entsprechende Datenpools angewiesen ist.
- Um solche kurzfristig zur Verfügung zu stellen, durchforstet, hackt und kapert Musks DOGE-Team die IT-Abteilungen, Server und Netzwerke von Ministerien und Bundesbehörden.
- Vor allem auf Finanzdaten hat man es abgesehen. An geltendes Recht hält sich DOGE dabei nicht.
- Datenschützer sind alarmiert. Und Whistleblower werden von Musks Team bedroht.
- All das passiert in enger Zusammenarbeit mit Oracle, einem weiteren von der CIA startfinanzierten IT-Riesen – und natürlich Palantir, dem von Peter Thiel gegründeten Spionage- und Killerkonzern.
So berichtete Reuters
am 6. Mai 2025 beispielsweise über ein neues Gemeinschaftsprojekt von
Elon Musks xAI und Palantir, das die Nutzung der jeweiligen KI-Lösungen
im Finanzsektor vorantreiben will – dies, nachdem xAI, BlackRock und
Microsoft bereits im März ein neues Konsortium zur Erweiterung von KI-Infrastruktur ins Leben riefen.
- Im Department of Homeland Security (DHS) ist DOGE aktuell damit beschäftigt, das IDENT-System des »Office of Biometric Identity Management« (OBIM) zu übernehmen – die weltweit größte Datenbank für biometrische Informationen, die von praktisch allen US-Behörden aber auch internationalen Partnern genutzt wird.
- Zusammengeführt werden sollen die von DOGE gekaperten Daten in HART (Homeland
Advanced Recognition Technology System), einem neuen, mit über sechs
Milliarden US-Dollar budgetierten Überwachungssystem des DHS, das in
Kollaboration mit Palantir-Programmen die flächendeckende Überwachung der Bevölkerung analog zu China ermöglichen wird.
Palantir wurde 2003 gegründet und arbeitet seither, das belegt eine 2013 geleakte Kundenliste, für mindestens 12 US-Regierungseinrichtungen:
- CIA, DHS, NSA, FBI, CDC, Special Operations Command, et cetera.
- Schon vor knapp zehn Jahren häuften sich Berichte – wie zum Beispiel von WIRED am
9. August 2017 – die belegten, dass Palantir die vermeintlich
vertraulichen Daten, die zum Beispiel Polizisten in Los Angeles seit
2009 in Datenbanken des Konzerns erfassen, kopiert, verkauft und
zweckentfremdet.
- Dass Palantir das rechtsextreme, zionistische Regime von Benjamin Netanjahu bei seinem Genozid in Gaza unterstützt, ist ebenfalls kein Geheimnis mehr.
- Die strategische Partnerschaft zwischen Thiels Tötungsmaschine und den IDF wurde nach Berichten von Bloomberg vom 12. Januar 2024 gar ausgeweitet.
- Gideon Levy bescheinigt seinem Land in einem Beitrag der Haaretz vom 19. Januar 2025, in Gaza den »ersten faschistischen Krieg« seiner Geschichte zu führen.
- Womit wir wieder bei Palantir und den Vereinigten Staaten wären.
Denn
wie ich bereits in meinem Artikel über Thiel vom 22. September 2024 in
Aussicht gestellt hatte, kommt dem gebürtigen Frankfurter eine ganz
besondere Rolle in Trumps neuer Regierung zu.
- Vom »Paten« der PayPal-Mafia und Geheimdienst-Frontmann zum Palantir-Boss und Bilderberg-Leitungsmitglied – und nun einflussreichsten Mann hinter der US-Regierung.
- Ohne Peter Thiels finanzielle Unterstützung wäre JD Vance weder Geschäftsmann noch Senator in Ohio oder US-Vizepräsident geworden.
- So verwundert es kaum, dass Palantir bereits 100 Tage nach Donald Trumps Amtsantritt Zugriff auf sämtliche Steuer-,
Gesundheits- und Bewegungsdaten der US-Bevölkerung hat und diese in
einer Datenbank zusammenführt, um seine KI darauf anzusetzen.
- Selbst die Speicher von Smartwatches und Fitness-Armbändern werden angezapft. Kein Datensatz ist mehr tabu.
Wie
diese Daten künftig verwendet werden – und zwar gegen alles und jeden –
zeigt eine von Palantir entwickelte Software namens »ImmigrationOS«.
- Ein System, das der US-Regierung hilft, das Leben von Migranten zu durchleuchten und permanent zu überwachen.
- Inklusive biografischer, biometrischer und Geolokationsdaten.
- Die
auf Basis dieser Daten entwickelten Empfehlungen nutzt das ICE
(Immigration and Customs Enforcement), um Menschen in die an
Massentierhaltung erinnernden Supermax-Gefängnisse von El Salvador abzuschieben.
- Für Deportationen ohne Beweise, Anhörung, Gerichtsverhandlung und Rechtsgrundlage.
- Eine in dieser Form fraglos verfassungsfeindliche Ausweitung des »Catch and Revoke« Programms, dem anstelle illegaler Einwanderer nun auch Doktoranden, Studenten oder unbescholtene Arbeitnehmer zum Opfer fallen – siehe der Fall Kilmar Abrego Garcia – vor allem solche, die den Völkermord in Gaza kritisieren.
Es dürfte derweil nur eine Frage der Zeit sein, bis das zugrundliegende, am 30. April 2025 verabschiedete »Antisemitismus-Gesetz« auf weitere unliebsame Personenkreise angewendet wird.
- Der Bundesstaat Alabama lässt
sich bereits von der fragwürdigen Deportationspraxis Washingtons
inspirieren und kündigte in Person des Republikaners Chris Sells am 1.
Mai 2025 an, selbst ein Gesetz erlassen zu wollen, das die Abschiebung
verurteilter Personen ins Ausland ermöglicht.
- Gemäß Sells wolle man mit dem Gesetzesvorschlag nur ein Zeichen setzen.
- Mit einer Verabschiedung rechne man nicht.
- Trump verkündete unterdes, neben Migranten künftig auch US-Bürger und Ureinwohner nach El Salvador verfrachten zu wollen. Verfassungsrechtlich ein absolutes Tabu. Bisher.
The Atlantic nennt diese Entwicklungen am 27. April 2025 ein »amerikanisches Panoptikum«. Zu Recht.
- Denn
Palantirs zentralisierter Datenpool wird sich zum mächtigsten
Unterdrückungsinstrument der Zivilisationsgeschichte auswachsen – und in
nicht allzu ferner Zukunft auch gegen jene MAGA-Anhänger eingesetzt
werden, die solch faschistoide Vorgänge derzeit noch bejubeln.
- Gegen das, was da auf uns zukommt, waren Corona-Tracking und 2G-Segregation geradezu harmlos.
Entsprechend hellhörig sollte es machen, dass die NATO Palantirs KI-Lösungen – genauer: die »Maven AI« – künftig für militärische Planungszwecke einsetzt, wie eine Presseerklärung des »Verteidigungsbündnisses« vom 14. April 2025 ausführt.
- Denn »Project Maven« ist auf ein Memorandum des US-Verteidigungsministeriums vom 26. April 2017 zurückzuführen und hatte zum Ziel, ein »funktionsübergreifendes Team für algorithmische Kriegsführung« zu schaffen.
- Unterstützt wurde das US-Militär dabei zunächst von Google. Also dem Unternehmen, das einst unter dem Motto »Don’t be evil« – Sei nicht böse! – angetreten war.
- Begleitet wurde Googles Engagement für Project Maven von einem massiven Aufruhr in der Belegschaft und Artikelüberschriften wie »Hey Google, wen soll die US-Regierung heute töten?«.
- Offene Briefe an Google-Chef Sundar Pichai forderten 2018, der IT-Konzern solle die Partnerschaft mit dem Pentagon unverzüglich beenden. Und das tat Google auch.
Project Maven lief natürlich trotzdem weiter.
- Wie Breaking Defense am 27. April 2022 ausführte, wurde das Vorhaben nach Googles Rückzug der NGA (National Geospatial Intelligence Agency) unterstellt und gemäß Informationen des Forbes Magazine fortan von Eric Schmidt (Google, Bilderberg), Peter Thiel und James Murdoch, dem jüngeren Sohn von Rupert Murdoch finanziert.
- Maven AI ist das KI-Flaggschiff des US-Militärs – und wird jetzt als Palantir-Produkt weltweit ausgerollt.
- Vorboten sind in Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen bereits im Einsatz und dürften angesichts der Iden des Merz wohl bald bundesweit Verwendung finden.
Es ist also keineswegs übertrieben, wenn der US-Journalist Derrick Broze am 24. April 2025 von der »Palantir World Order« spricht –
einem überstaatlichen Herrschaftssystem, das zuvorderst aufgrund seiner
auf zwielichtigen bis illegalen Akkumulationsprozessen basierenden
Deutungs- und Interventionshoheit in puncto Big Data fußt.
- Getreu dem Palantir-Slogan: »Die Software ist das Waffensystem«.
- Selbst eine in der ARD-Mediathek abrufbare Doku des NDR über Palantir von 10. Juni 2024 läuft unter dem eindeutigen Titel »Eine Software, die töten kann«.
Ja, das Geschäft mit dem industriell-digitalisierten Auftragsmord boomt.
- Denn internationale Konflikte nehmen zu und die Observationsökonomie erlebt einen Quantensprung.
- Entsprechend profitabel fiel das erste Quartal 2025 für Thiels Unternehmen aus.
- Stolze 884 Millionen US-Dollar stellte man Kunden in Rechnung.
- Ein Wachstum von 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 21,7 Millionen mehr als prognostiziert.
- Am 5. Mai 2025 gab die Palantir Aktie zwar um 15 Prozent nach – laut Analysten könnte
die Aktie aber auch um 70 Prozent fallen und wäre immer noch die
teuerste Marke unter Softwareanbietern in diesem Segment.
Das sollte zu denken geben. Denn die USA durchlaufen eine Metamorphose – weg von demokratischen Strukturen und hin zur »Algokratie«.
- Die
PayPal-Mafia hat das Weiße Haus gekapert und demonstriert dem
Wertewesten, was er im Zuge der vierten industriellen Revolution zu
erwarten hat: Tech-Feudalismus, dessen Oligarchen sich aufgrund vermeintlicher Sachzwänge schamlos über Recht und Gesetz hinwegsetzen.
- Nicht von ungefähr hat Donald Trump in seinen ersten 100 Amtstagen bereits 141 »Exekutive Orders« unterzeichnet.
- Ohne dabei auch nur einmal das Repräsentantenhaus einzubeziehen oder demokratische Prozesse zu respektieren.
- In diesem Lichte betrachtet erscheint das Cover des TIME Magazine vom Juni 2018, auf dem »The Donald« als König abgebildet war – Titel: »King me« – heute zeitgemäßer denn je.
Dunkle Aufklärung
Und
das ist kein Zufall. Wirft man nämlich einen Blick auf die
philosophischen Konzepte, die Menschen wie Peter Thiel, JD Vance oder
Elon Musk inspirieren, zeigt sich, dass die entsprechenden Pamphlete
genau das fordern:
- Eine postmoderne Version von Monarchie.
- Einen CEO, der das Land führt wie einen Großkonzern.
- Mittels KI – und auf Basis des amerikanischen Arbeitsrechts natürlich.
- Vielsagend, dass Donald Trump am 19. April 2025 auf Twitter ankündigte, exakt das tun zu wollen: »Das ist gesunder Menschenverstand und wird ermöglichen, dass die Bundesregierung endlich „wie ein Unternehmen geführt wird“.«
- Dass Trump den letzten Teil des Satzes in Anführungszeichen setzt, impliziert, dass er jemanden zitiert.Von wem die Phrase stammt, lässt er allerdings offen.
Der US-Präsident scheint jedenfalls den Ratschlägen seines Vize JD Vance zu folgen, der bereits am 17. September 2021 in einem Interview mit dem Jack Murphy Podcast sagte: »Was Trump tun sollte, wenn ich ihm einen Ratschlag geben dürfte:
- Feuere
jeden einzelnen Bürokraten der mittleren Leitungsebene, jeden Beamten
in der Verwaltung, und ersetze ihn mit unseren Leuten.
- Und
wenn man dich dafür verklagt, wenn dich die Gerichte aufhalten wollen –
denn man wird dich dafür verklagen – stell dich vor das Land, so wie
Andrew Jackson, und sag den Menschen, dass der oberste
Entscheidungsträger sein Urteil bereits gefällt hat.
- Jetzt lasst es ihn auch umsetzen.«
Und so geschah es. Denn als der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten am 19. April 2025 entschied, dass die juristisch fragwürdigen Deportationen zu stoppen sind, schrieb Donald Trump auf Twitter:
- »Ich
wurde unter anderem gewählt, um schlechte Menschen aus den Vereinigten
Staaten zu entfernen. Ich muss meine Arbeit tun dürfen.«
- Damit
stellt sich Trump offen gegen die höchste juristische Instanz des
Landes und fordert, trotz eines geltenden Urteils weitermachen zu
können. Für dieses Vorgehen sucht er Rückhalt in der Bevölkerung.
- Er will die Gerichte unter Druck zu setzen, um regieren zu können wie ein Monarch.
- Bei
dieser politischen Philosophie handelt es sich selbst laut Wikipedia um
ein »antidemokratisches, antiegalitäres, reaktionäres und neofeudales
Konzept«.
- Geprägt wurde es von einem etwas kauzig anmutenden Blogger namens Curtis Yarvin, der auf seiner Webseite »Unqualified
Reservations« ab 2007 und unter dem Pseudonym Mencius Moldbug Texte
über das Versagen der Demokratie und Theorien zu alternativen
Herrschaftsformen publizierte.
Weiterentwickelt wurden diese Konzepte unter anderem von Nick Land, einem britischen Schriftsteller, der als Vater des »Akzelerationismus« gilt und mit einem Blog-Beitrag aus dem Jahr 2013 auch den Begriff »Dunkle Aufklärung« für Yarvins Theorien aufbrachte.
- In seinen späteren Texten redete der Brite einem »wissenschaftlichen Rassismus«, der Eugenik und dem von ihm geprägten Begriff »Hyperrassismus« das Wort.
- Bei der rechtsnationalistischen bis rechtsextremen Alt-Right-Bewegung stieß er damit auf offene Ohren.
- Die deutsche Publikation »nd – Journalismus von Links« findet diesen »Philosophen der digitalen Entgrenzung« in einem Beitrag vom 21. Mai 2023 aber trotzdem »interessant«.
- Dass
Nick Land gerne Amphetamin konsumiert und eine Weile im Haus des 1947
verstorbenen Satanisten Aleister Crowley lebte, scheint nd-Autor
Konstantin Jahn eher Bewunderung abzuringen.
- Seinem ehemaligen Arbeitgeber, The New Center for Research & Practice, allerdings nicht – der setzte Land am 29. März 2017 wegen rassistischer Umtriebe vor die Tür.
Von Curtis Yarvin war nach der Einstellung seines Blogs im Jahr 2016 unterdes nicht mehr viel zu hören. Bis jetzt.
- Denn anno 2025 schreibt plötzlich die Financial Times über »die Philosophie hinter Trumps Dunkler Aufklärung«. Ebenso die New York Times, die Yarvin im Januar 2025 zum großen Interview für eine Titelstory bat.
- Selbst der Bayrische Rundfunk schrieb am 23. März 2025 über den einst nur Insidern bekannten Blogger.
- Und natürlich Politico, wo am 30. Januar 2025 ein Artikel über Yarvin erschien. Aufmacher: »Curtis Yarvins Ideen waren Randerscheinungen.
Jetzt verbreiten sie sich in Trumps Washington«.
- Im
Zuge seines Textes beschreibt Autor Ian Ward, wie Yarvin nach
Washington reiste, um auf Einladung des Trump-Teams an der pompösen
Inaugurationsfeier teilzunehmen, wo er unter anderem mit dem ehemaligen Thiel-Angestellten JD Vance sprach, der die politischen Theorien von Yarvin mehrfach bei öffentlichen Auftritten lobte, zitierte und als wichtigen Einfluss auf sein Denken nannte.
- Im
Gespräch mit Ward führte Yarvin aus, dass er Trump gegenüber zunächst
skeptisch gewesen sei, weil er sich nicht sicher war, ob Trump den von
ihm empfohlenen Regimewechsel überhaupt durchziehen könne.
- Zwischenzeitlich
habe sich jedoch Optimismus eingestellt, so Yarvin, denn man könne in
Trumps Kabinett eine »neugewonnene Selbstsicherheit und Aggressivität«
spüren.
Kein Wunder, besteht es doch in weiten Teilen aus Protegés, Kollegen, Geschäftspartnern und Freunden von Peter Thiel – - zu letzteren gehört nach Aussage von Thiel übrigens auch der neue Chef der NIH (National Institutes of Health), Jay Bhattacharya, der zuvor unter anderem bei der Hoover Institution sowie der RAND Corporation tätig war.
- Aufgabenbereich:
Demographie und Ökonomie von Gesundheit und Altern mit Schwerpunkt auf
Regierungsprogrammen und biomedizinischer Innovation.
Wer sich mit Thiel beschäftigt hat, wird kaum überrascht sein, dass der in Frankfurt geborene Milliardär Anhänger der »Dunklen Aufklärung« ist.
- Schon im Mai 2016 schrieb Curtis Yarvin eine E-Mail an einen Bekannten und erklärte: »Ich coache Thiel«.
Der brauche aber deutlich weniger politische Orientierungshilfe als
gedacht, so Yarvin. »Ich habe die Wahlen in seinem Haus angeschaut.
- Ich
glaube, mein Hangover dauerte bis Dienstag. Er (Thiel) ist völlig
aufgeklärt, geht aber sehr vorsichtig vor«, konstatiert Yarvin in seiner
Mail.
Zu diesem Zeitpunkt stand der dunkle Aufklärer auch in Kontakt mit dem technischen Redakteur von Breitbart News, dem seinerzeit wichtigsten Sprachrohr von Trumps ehemaligem Chefstrategen Steve Bannon,
- »dem Medien-Baron der Alt-Right-Bewegung«, der sich ebenfalls an Yarvins Konzepten orientierte, dessen Bücher öffentlich empfahl und maßgeblich dazu beitrug, dass Donald Trump die Wahl gegen Hillary »Body Count« Clinton gewann.
Nach Angaben von BuzzFeed News stand auch Peter Thiel 2016 in Kontakt mit besagtem Breitbart-Redakteur.
- In
einem Podcast auftreten, wollte er allerdings nicht. »Lass uns einfach
Kaffee holen und dann schauen, was wir machen«, antwortete der
Palantir-Gründer im Mai auf eine Interview-Einladung von Breitbart.
- Und im Juni lud Thiel den Breitbart-Mitarbeiter zum Abendessen in sein Haus in den Hollywood Hills ein.
- Man
darf davon ausgehen, dass es bei diesen Gesprächen um finanzielle
Unterstützung von Breitbart News, beziehungsweise der Alt-Right-Bewegung
ging. Sprich, um Stimmungsmache für Trump.
Im Wahlkampf 2024 war Thiel weniger zurückhaltend.
- JD Vance hatte seinen Gönner ja auch bereits im August 2024 via Forbes Magazine dazu aufgerufen, »die Seitenlinie zu verlassen und für Trump zu spenden«.
- Kurz darauf überwies der Exil-Deutsche mindestens 1,25 Millionen Dollar.
- Die Betonung liegt auf mindestens. Denn als JD Vance 2022 für den Senat kandidierte, spendete Thiel ganze 15 Millionen US-Dollar für dessen Kampagne.
- Für
manch einen vorausschauenden Journalisten war deshalb schon im Sommer
2024 klar: »Donald Trump ist Peter Thiels erfolgreichstes Investment«.
»Letztes
Jahr veröffentlichte der Journalist Max Chafkin eine Biografie über
Thiel (…), in der er Yarvin als den politischen Philosophen (…) für ein
Netzwerk bezeichnete, das man als Thiel-Verse kennt.
- Das Buch erklärt, wie Thiel sowohl Cruz als auch Josh Hawley auf ihrem Weg in den Senat half.
- Es endet mit einem düsteren Bild des Milliardärs,
der versucht, seinen politischen Einfluss immer offener auszuweiten
(…). Masters und Vance unterscheiden sich von Hawley und Cruz, schreibt
Chafkin – erstere sind verlängerte Arme von Thiel«.
Das konnte man in der Vanity Fair am 20. April 2022 über Thiels Bemühungen lesen, sich politischen Einfluss für Trumps zweite Amtsperiode zu sichern.
- Unter
der Überschrift »Im Inneren der Neuen Rechten – wo Peter Thiel seine
größten Einsätze platziert« erklärt das Blatt: »Sie sind nicht MAGA. Sie
sind nicht QAnon.
- Curtis Yarvin und die aufstrebende Rechte entwickeln eine andere Form konservativer Politik«.
So stellt sich an dieser Stelle unweigerlich die Frage:
- Was für eine Politik soll das sein?
- Warum verkünden Thiel-Weggefährten wie Elon Musk stolz, »nicht nur MAGA, sondern Dark MAGA« zu sein?
- Was
fordern »Akzelerationismus« und »Dunkle Aufklärung«? Wie sieht der von
Yarvin, Land, Thiel, Vance, Trump, Musk und Co. avisierte Soll-Zustand
aus?
Auf den Punkt bringt das ein Akronym, das Curtis Yarvin seit 2012 benutzt: RAGE.
- Es steht für »Retire All Government Employees«, übersetzt also dafür, alle Regierungsmitarbeiter zu entlassen.
- Auch der von Thiel finanzierte Republikaner Blake Masters nutzte das Akronym schon öffentlich.
- Nur so könne man das amerikanische »Regime« stürzen.
- »Was wir brauchen«, so Yarvin, »ist ein nationaler CEO – oder das, was man einen Diktator nennt«.
- Die Amerikaner müssten ihre »Diktatoren-Phobie« überwinden, damit das Land »wie ein Start-up geführt werden kann«.
Nach Ansicht von The Brooklyn Rail ist das mittlerweile der Fall.
- Denn
am 30. Januar 2025 veröffentlichte das Medienportal einen Artikel, in
dem Autor David Levi Strauss erklärt, die US-Bevölkerung akzeptiere nun
endlich »die Idee, dass das Land von einem CEO und wie ein Konzern oder
eine Diktatur geführt werden müsse, weil sie – wie Peter Thiel schon
2009 erklärte – nicht mehr daran glauben, dass Freiheit und Demokratie kompatibel sind«.
- Ob
Akzelerationismus, Neoreaktionäre Bewegung oder Dunkle Aufklärung, sie
alle plädieren für eine Rückkehr zu traditionellen gesellschaftlichen
Konstrukten und Regierungsformen, inklusive des absoluten Monarchismus.
Dafür soll der Staat in eine private Aktiengesellschaft umgewandelt werden, in welcher dem Geschäftsführer absolute Macht zukommt.
- Gleichheit lehnen alle drei Strömungen als politisches Ziel ab.
- Stattdessen
verfolgt man rationalistische oder utilaristische Konzepte sozialer
Schichtung, die auf Erbmerkmalen oder Leistungsprinzipien beruhen –
sprich, auf den Grundgedanken der Eugenik.
Diese neue Regierungsform, »Gov-Corp«, wie der britische Journalist Iain Davis das Modell in seinen betreffenden Artikeln und einem lesenswerten Zweiteiler betitelt,
wird aufgrund der ihr zur Verfügung stehenden Technologie eine nie
gekannte Machtfülle besitzen – eine Machtfülle, die sich aufgrund genau
dieser Technologie mit Leichtigkeit als liberale Marktwirtschaft
vermarkten lässt.
- Als
rationales, effizientes und individuelle Freiheit suggerierendes Modell
zur Steuerung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft.
- Obwohl
man als Bürger – oder sagt man besser Kunde, Mitarbeiter oder
Bilanzposition? – vertraglich verpflichtet wird, seine Rechte an die
herrschende Konzernstruktur zu übertragen.
- Analog zu den Bewohnern von Peter Thiels »Start-up City« Próspera – die derzeit versucht, ihr Gastland Honduras mit einer erfolgsversprechenden Klage im Wert von 10,7 Milliarden US-Dollar in den Staatsbankrott zu treiben.
Universelle Menschenrechte sind im Gov-Corp-Modell jedenfalls nicht vorgesehen.
- Wenn neoreaktionäre Theoretiker wie Curtis Yarvin von »Exit« sprechen, also vom Verlassen demokratischer Strukturen, stellen sie gleichzeitig eine »Opt-in-Society« in Aussicht.
- Was
vordergründig erst einmal gut klingt, soll man sich die Serviceangebote
des Staates doch nach eigenen Bedürfnissen konfigurieren dürfen,
entpuppt sich schnell als totalitäres wie inhumanes Konstrukt. Als Tech-Feudalismus.
- Denn
für diejenigen, die in der »sozialen Schichtung« untere Ränge
bekleiden, sich die Serviceangebote von Gov-Corp nicht leisten können
oder den Chef kritisieren, wird es rasch ungemütlich. Siehe
Supermax-Gefängnisse.
Dementsprechend
zurückhaltend sollte man sein, wenn verheißungsvolle Begriffe wie
Freedom Cities, Charter Cities, Start-up Cities oder »Network State« fallen.
- Denn gerade letzterer steht für nichts anderes als die finale Ausbaustufe von Gov-Corp.
- Für ein Netzwerk autonomer Städte, die jeweils von einem eigenen CEO mit absolutistischer Macht geführt werden.
- Sprich, für einen Zusammenschluss kleiner Königreiche – oder Niederlassungen – eines Konzerns namens Regierung.
Das Konzept Netzwerk-Staat ist in dieser Form Balaji Srinivasan zuzuschreiben, dem ehemaligen CTO von Coinbase und Partner von Andreessen Horowitz.
- Sein
im Juli 2022 veröffentlichtes Buch »The Network State« beschreibt auf
fast 500 Seiten, wie »der Nachfolger des Nationalstaats« aussehen soll.
- Eine unausgegorene Spinnerei ist das Ganze also nicht mehr. Im Gegenteil.
- Srinivasan gründete extra einen Fond, um das Konzept Netzwerk-Staat voranzutreiben und wird dabei von diversen Tech-Milliardären unterstützt.
Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass Netscape-Gründer Marc Andreessen bereits Anfang Oktober 2013 prognostizierte, dass »es in den kommenden Jahren doppelt so viele, oder drei oder vier Mal so viele Länder geben wird«.
- Andreessens »Techno-Optimist Manifesto«
vom 16. Oktober 2023 erwähnt zwar weder Yarvin noch Land oder
Srinivasan, aber es outet den Verfasser als eingefleischten
Akzelerationisten – und als Fan des Transhumanisten Ray Kurzweil.
- Für Außenstehende mag Srinivasans Konzept abseitig anmuten. Aber es zog Kreise.
- Selbst die New York Times berichtete am 28. Oktober 2013 über eine Rede des bekennenden Staatsfeinds bei der Silicon Valley »Startup School«.
Der entsprechende Artikel eröffnet mit dem Worten: »Silicon Valley aufgeschreckt von Sezessionsruf.
- Erst die Sklavenhalter im Süden, jetzt das. Versucht Silicon Valley, sich von Amerika abzuspalten?«.
- Während das Nachrichtenportal TechCrunch die »Dunkle Aufklärung« Ende 2013 noch als Bewegung von Nerds abtat, die eine Monarchie fordern, sprach man beim britischen Telegraph im Januar 2014 bereits von »anspruchsvollem Neo-Faschismus«.
Die
Granden der Big-Tech-Branche wissen seit über einem Jahrzehnt, dass ihr
digital-finanzieller Komplex die Welt beherrscht und sie mittels
Disruption jede andere Industrie zum Handlanger degradiert haben.
- Dementsprechend selbstbewusst treten ihre Vordenker, Theoretiker und Philosophen auf.
- Nicht umsonst teilt auch Patri Friedman,
Enkel des Nobelpreisträgers Milton Friedman, neoreaktionäre Positionen –
auch wenn er sich 2009 mit Yarvin überwarf, seither »eine politisch
korrektere dunkle Aufklärung« fordert und nun eigene Freedom Cities auf schwimmenden Plattformen in internationalen Gewässern schaffen will.
- Dafür gründete er 2019 Pronomos Capital,
ein Unternehmen, das über 13 Millionen US-Dollar von Thiel, Srinivasan
und Andreessen erhielt, Próspera finanziert und ähnliche Projekte in
Afrika, Südostasien und Palau im Portfolio hat.
Die
omnipräsente Konstante: Peter Thiel – der nicht nur in Firmen von
Yarvin, Srinivasan oder Friedman investiert, sondern Donald Trump auch
bei der Auswahl von Kabinettsmitgliedern beriet.
- So kam es, dass Thiels Kumpel Srinivasan sogar im Gespräch für den Chefposten der FDA (Food and Drug Administration) war.
- Eine hochrangige Position im Staatsapparat.
- Erstaunlich, erinnert man sich an dessen staatsfeindliche Rede bei der »Startup School«.
Die Japan Times findet am 19. Juni 2024 passende Worte für diese Vorgänge:
- »Es
wird immer deutlicher: Führende Techno-Libertäre (…) sind nur insoweit
gegen den Staat, als er sie nicht persönlich bereichert.
- Angesichts
der Aussicht, dass die Regierung zu einem Großkunden wird, löst sich
der einst prinzipielle Widerstand gegen die Staatsmacht auf.
Dieser Wandel lässt sich auch bei Thiel selbst beobachten.
- 2009 erklärte er, dass die große Aufgabe für Libertäre darin bestehe, Politik in all ihren Formen zu entkommen.
- Doch 2016 engagierte sich Thiel voll und ganz für Parteipolitik und hielt eine Rede auf dem Parteitag der Republikaner.
- Inzwischen
ist Palantir, das von ihm mitgegründete Datenanalyseunternehmen, zu
einem Giganten herangewachsen und profitiert von riesigen
Regierungsaufträgen.
- Fast die Hälfte seiner Einnahmen stammt mittlerweile aus öffentlichen Mitteln.«
Keine Frage: Peter Thiel ist Dreh- und Angelpunkt hinter der neuen US-Regierung.
- Der
Pate der PayPal-Mafia ist der mächtigste Mann in Washington und
Palantir die treibende Kraft hinter dem digitalen Panoptikum, das sich
dort derzeit formiert.
- Und was Elon Musk als DOGE verkauft, erinnert im Kern an RAGE.
- Selbst das TIME Magazine stellt anhand der bislang 30.000 gefeuerten
Regierungsmitarbeiter fest, dass die Vorgehensweise von Trump und Co.
keineswegs Zufall ist, sondern exakt der Programmatik von Yarvins
»Dunkler Aufklärung« folgt.
- Nur in unseren Breiten tut man sich immer noch schwer damit, das zu erkennen – oder einräumen zu wollen.
Dafür gibt es zwei Gründe.
- Erstens:
Bis dato hat kein deutschsprachiger Journalist ausführlich über diese
Zusammenhänge berichtet und den notwendigen Kontext hergestellt.
- Zweitens:
Ist man vom herrschenden System enttäuscht und stößt bei der Suche nach
Alternativen auf die Analysen von Yarvin oder Srinivasan, wirken diese
wie Balsam in den Ohren, geht man als Kritiker des übermächtigen und
-griffigen Staates doch in weiten Teilen mit deren Einordnung aktueller
Probleme konform.
- Selbst die Lösungsvorschläge der dunklen Aufklärer wirken plausibel.
- Zumindest theoretisch. Mehr Autonomie, Dezentralität, Effizienz, Prosperität – und viel weniger Staat.
- Klingt attraktiv. Vor allem im Vergleich mit dem kollektivistischen Wohlfahrtspaternalismus der vergangenen Dekaden.
Die Rattenfänger aus dem Silicon Valley erzählen dem enttäuschten und von Politik angewiderten Demos, was er hören will.
- Im Bereich Neuro-Linguistisches Programmieren (NLP) nennt man das die Echo-Technik.
- Sie sorgt dafür, dass sich das Gegenüber wahr- und ernstgenommen fühlt. Dass es sich öffnet.
Das funktioniert erstaunlich gut.
- Bis man sich anschaut, woher das Geld kommt und wohin die Daten fließen.
- Bis
man erkennt, dass solch ein System, die Algokratie, für deutlich mehr
Zentralisierung steht – für mehr Staat, für Datenzentren von
Tech-Despoten und interoperable Blockchain-Plattformen von
Finanzkartellen.
- Für einen digitalen Gulag und Gewalt gegen Andersdenkende.
- Für die Abschaffung universeller Menschenrechte.
- Sicher.
Man weiß nicht, ob die »Dunkle Aufklärung«, ob Akzelerationismus und
ein Netzwerk-Staat mit CEO – oder »Diktator« – nicht vielleicht besser
funktionieren als Demokratie.
- Manch einer denkt, man könne es ja mal versuchen.
Das wollte auch der Anarcho-Kapitalist Jeff Berwick, alias The Dollar Vigilante.
- Im März 2025 reiste er nach Honduras, um sich Próspera anzuschauen und anschließend für das Freedom-City-Projekt zu werben.
- Doch
ein paar Tage vor der mit der Stadtverwaltung abgestimmten Visite und
Führung erhielt er eine E-Mail vom Rechtsanwalt des Unternehmens, der
ihm zu seiner Überraschung mitteilte, er dürfe nun doch nicht anreisen –
und hätte ab sofort generelles Zutrittsverbot für das Gelände der
»Sonderentwicklungszone«.
- Wahrscheinlich
fand die Presseabteilung von Próspera bei der vorbereitenden
Überprüfung seiner Person heraus, dass Jeff Berwick von Technokratie,
Zionismus, Krieg, Trump, Vance und auch der PayPal-Mafia nicht allzu
viel hält.
- Er
bezeichnet sich nämlich als »Verschwörungsrealist« – und war auf der
Suche nach Freiheit. Die ist aber offenbar auch in Próspera Mangelware.
| Putzbrunn den 5.6.2025 | |
| Dipl.-Ing. Ingenieurbau | F | |
| Statiker / Projektleiter | U | |
| V | O | L | K | E | R | | F | U | C | H S |
| vfuc@arcor.de | | | | H | |
| fuchs.putzbrunn@web.de | S | |