Gasspeicher-Füllstände noch viel kritischer als aktuelle Schlagzeilen vermuten lassen. Physik als Leistungsbremse - es gilt das Darcy-Gesetz
Volker Fuchs 16.2.2026
Nachfolgend drei Berichte von Blackout News, in Ergänzung meiner bisherigen Berichte
(siehe auf meiner Webseite im Verzeichnis Investigativ - bzw. unten)
eine weitergehende Aufklärung über die Gaskrise, die viele Länder in
Europa gepackt hat. Aber Deutschland ganz besonders - fast Schlusslicht
beim Gasfüllstand - hausgemacht durch die Fehler der handelnden Personen
in der Merz-Regierung - wo auch den Mittelstand das blanke Entsetzen
packt - wie Blackout News schreibt (siehe unten).
Und
unten die Erdgasfüllstände in der EU am 15. Februar. Deutschland mit
23,54 Prozent fast Schlusslicht - nur die Niederlande / Kroatien und
Lettland haben noch geringere Füllstände - Werk der Merzregierung -
siehe obigen Bericht Nr.43
Als erstes ein von mir aktualisierter Bericht von Blackout News, der belegt, wie eng es tats. bald mit dem Gas wird
- Und
falls es Krieg mit dem Iran gibt und die Straße von Hormus gesperrt
wird, ist Europa von externen Gasimporten abgeschnitten und dann bleibt,
als letzte Rettung nur noch die eine intakte Nordstream-Röhre - um
großflächige Industrieabschaltungen zu verhindern,
Und
die etwas älteren Berichte 2 und 3 über den systemrelevanten
Porenspeicher Breibrunn, der wegen mangelnder Rentabilität am 31. März
2027 stillgelegt werden soll - dokumentieren einen Fall von Marktversagen, deren Ursache in der Politik liegt - also der Merz-Regierung. Und natürlich, weil man eine russische Gaslieferung ablehnt - lieber geht die Wirtschaft den Bach runter.
1.) Gasspeicher-Füllstände noch viel kritischer als aktuelle Schlagzeilen vermuten lassen
2.) Uniper will Deutschlands drittgrößten Gasspeicher stilllegen – Füllstand in Breitbrunn nur noch 19 %
3) Gasspeicher in der Krise – Uniper kann Speicherkapazitäten nicht vermarkten
Damit rückt eine Schwelle in den Fokus, die oft falsch eingeordnet wird: 20 Prozent sind keine politische Marke, sondern eine harte physikalische Grenze.
- Viele Debatten kreisen um „wie viel“ Gas noch da ist, doch im Ernstfall zählt „wie schnell“ es aus dem Speicher kommt. Genau an diesem Punkt werden niedrige Füllstände zum Risiko, weil Porenspeicher bei sinkendem Druck deutlich an Leistung verlieren und nur weniger Gas in das Netz einspeisen können.
Der Denkfehler bei 20 Prozent
Viele denken vielleicht: „20 % sind doch noch ein Fünftel“, aber ein Porenspeicher arbeitet nicht wie ein Autotank, den man fast restlos leerfahren kann. Das Gas steckt in porösem Gestein, oft Sandstein, und verteilt sich in winzigen, verbundenen Poren. Je leerer der Speicher wird, desto schwerer lässt sich der Rest herausdrücken, denn der Druck fällt mit jeder Entnahme.
Der Denkfehler bei den Füllständen der Gasspeicher – die Lage ist noch viel kritischer,
denn bei 20 Prozent schlägt die Physik zu
Betreiber
und Branchenvertreter benennen das seit Jahren, zudem verweisen BVEG
und die Speicherinitiative INES auf die Trägheit dieser Speicherart.
- Porenspeicher
liefern nicht einfach „weniger“, sie liefern vor allem „langsamer“. Das
wirkt harmlos an milden Tagen, jedoch in einer Kältewelle entscheidet
die Stundenleistung oder genauer gesagt der Massenstrom.
- Der Grund liegt in der Strömungsphysik, weil Gas durch poröses Material fließen muss. Sinkt das Druckgefälle, sinkt auch der Durchsatz.
- Dadurch wird ein niedriger Füllstand schnell zu einem Leistungsproblem.
Dann zählt nicht, wie viel Gas noch im Speicher ist, sondern wie
schnell es herauskommt, wenn plötzlich viele Verbraucher gleichzeitig
Gas brauchen.
Darcy-Gesetz: Physik als Leistungsbremse
Henry
Darcy beschrieb 1856, wie Fluide durch poröse Medien strömen und dieser
physikalische Zusammenhang ist entscheidend. Mehr Druck bedeutet mehr
Gasfluss. Weniger Druck bedeutet weniger Gasfluss, deshalb fällt die
Entnahmeleistung mit sinkendem Speicherstand.
Analysen des Energieexperten Markus Schall vom Februar 2026 zeigen ein stabiles Muster.
- Bis etwa 50 Prozent bleibt die Entnahme relativ stabil.
- Um 35 Prozent liegt die Leistung bereits rund 22 Prozent unter dem Wert eines vollen Speichers.
- Aber unter 20 Prozent bricht sie so stark ein, dass die Spitzenlast kaum noch zu bedienen ist.
- Damit entsteht ein gefährlicher Eindruck von Reserve, denn „Gas vorhanden“ heißt nicht „Gas verfügbar“.
In der Praxis zählt, ob der Speicher in kurzer Zeit genug liefern kann.
Genau diese Fähigkeit schrumpft, sobald der Druck zu weit sinkt.
Porenspeicher gegen Kavernen – zwei Systeme, zwei Aufgaben
Deutschland stützt sich auf Kavernenspeicher und Porenspeicher, doch beide erfüllen unterschiedliche Rollen.
- Kavernen in Salzstöcken lassen sich schnell be- und entladen. Sie wirken wie ein „Turbolader“ für das Gasnetz, weil sie Lastspitzen schneller abfangen können.
- Porenspeicher sind dagegen groß, aber sie reagieren träge und druckabhängig. Ein großer Teil der Kapazität steckt in solchen Formationen.
- Ende
Januar 2026 zeigte sich die Schieflage exemplarisch, denn bayerische
Porenspeicher lagen bei etwa 25 Prozent statt der Vorgabe von 40
Prozent. Der größte Speicher Rehden lag bei rund 11 Prozent. Solche
Werte sind nicht nur Mengenangaben, sondern ein Hinweis auf eine schrumpfende Entnahmeleistung.
Warum unter 20 Prozent mehrere Effekte gleichzeitig wirken
Unter 20 Prozent greifen drei Mechanismen zusammen, deshalb wird die Lage abrupt kritischer.
- Erstens sinkt der Lagerstättendruck in großer Tiefe mit jeder Entnahme.
- Zweitens verläuft der Leistungsabfall nicht linear, sondern überproportional, sobald der Speicher weit geleert ist.
- Drittens spielt das Kissengas eine zentrale Rolle, denn ein Teil des Gases muss im Untergrund bleiben, um Mindestdruck zu halten.
- Die veröffentlichten Füllstände betreffen meist das Arbeitsgas, jedoch sie zeigen nicht die ganze Druckrealität. Dadurch wirkt ein „Rest“ bei 20 Prozent größer, während die nutzbare Lieferrate gleichzeitig zusammenschmilzt.
- Am
Ende steht ein harter Befund, der oft übersehen wird: Ein Porenspeicher
kann bei 20 Prozent noch Gas enthalten. Er kann es nur zu langsam
liefern, wenn die Kälte den Verbrauch nach oben treibt.
Winterbedarf: Die Lücke entsteht über die Leistung
Im Winter liegt der Bedarf im Schnitt bei rund 4 TWh pro Tag.
An sehr kalten Tagen steigt er bis etwa 5 TWh. Pipeline- und
LNG-Importe liefern derzeit ungefähr 3,1 bis 3,3 TWh täglich. Damit
müssen 0,7 bis 1,9 TWh pro Tag aus Speichern kommen, sonst klafft eine
Versorgungslücke.
- Wenn
Porenspeicher wegen Druckverlust weniger leisten, verschärft sich das
Problem, weil die fehlende Menge kurzfristig kaum kompensierbar ist.
Gleichzeitig können Exporte in Nachbarländer die Lage zusätzlich
verengen, während die Spitzenlast im Inland steigt.
- Genau deshalb ist die 20-Prozent-Schwelle so brisant, denn sie markiert den Übergang vom Mengen- zum Leistungsengpass.
Der Kern bleibt einfach, aber unbequem:
- Die Physik setzt eine Grenze. Politik kann Ziele formulieren, doch die Physik entscheidet über den Durchfluss.
- Wer Versorgungssicherheit will, muss Speicher so führen, dass die Entnahmeleistung auch im Winter stabil bleibt. (KOB)
2.) Uniper will Deutschlands drittgrößten Gasspeicher stilllegen – Füllstand in Breitbrunn nur noch 19 %
https://blackout-news.de/aktuelles/uniper-will-deutschlands-drittgroessten-gasspeicher-stilllegen-fuellstand-in-breitbrunn-nur-noch-19/ Februar 1, 2026
Der
Gasspeicher Breitbrunn in Bayern weist einen kritisch niedrigen
Füllstand auf. Mit rund 19 Prozent liegt er deutlich unter der
gesetzlichen Zielmarke. Gleichzeitig plant der Betreiber Uniper die
Stilllegung der Anlage.
Damit sinkt die verfügbare Gasreserve für Süddeutschland, während der laufende Winter weiterhin eine hohe Nachfrage erzeugt (nn: 29.01.26).
Gesetzliche Vorgaben klar unterschritten
Nach der Gasspeicherfüllstandsverordnung müsste der Speicher am 1. Februar zu mindestens 40 Prozent gefüllt sein. Breitbrunn verfehlt diese Marke deutlich.
Während der bundesweite Durchschnitt zuletzt bei etwa 36 Prozent lag,
fällt der bayerische Standort stark ab. Das ist relevant, weil die
Vorgaben für Bayern bewusst strenger ausfallen als in anderen Regionen.

Uniper plant die Stilllegung des drittgrößten Gasspeichers in Deutschland – der Füllstand in Breitbrunn liegt nur noch 19 Prozent
Bereits vor Beginn der Heizsaison zeigte sich das Defizit. Am 1. November 2025 lag der Füllstand bei knapp 57 Prozent, obwohl 80 Prozent vorgesehen waren. Damit
startete der Speicher mit einem klaren Nachteil in den Winter. Diese
Ausgangslage verschärfte sich im weiteren Verlauf der Heizperiode.
Größter Speicher Bayerns verliert an Bedeutung
Breitbrunn ist kein Randstandort.
- Der Porenspeicher
gilt als größter Gasspeicher Bayerns und als drittgrößter in
Deutschland. Seine maximale Kapazität beträgt rund 11,5 Terawattstunden
Erdgas. Aktuell sind davon nur noch etwa 2,2 Terawattstunden
eingelagert. Damit verliert der Standort seine Funktion als verlässlicher Winterpuffer.
- Porenspeicher gelten technisch als aufwendig. Das Gas wird in poröses Tiefengestein gepresst, was den Betrieb teurer
macht als bei Kavernenspeichern. Deshalb nutzen Händler diese
Speicherart vor allem saisonal. Die Nachfrage bleibt entsprechend
begrenzt, insbesondere bei unsicheren Marktbedingungen.
Uniper sieht keinen wirtschaftlichen Betrieb mehr
Uniper begründet die geplante Stilllegung mit fehlender Wirtschaftlichkeit.
- Eine Sprecherin erklärte gegenüber den Nürnberger Nachrichten wörtlich: „Wir können den Speicher in Breitbrunn nicht wirtschaftlich betreiben“. Die Margen seien sehr gering oder bereits negativ. Vor diesem Hintergrund beantragte Uniper die Stilllegung zum 31. März 2027.
- Bis
dahin soll der Speicher noch genutzt werden. Danach würde der Standort
vom Netz gehen. Die Entscheidung reiht sich in eine Entwicklung ein, die
bereits sichtbar ist. Schon 2023 wurde ein anderer Gasspeicher in
Bayern nahe Nürnberg stillgelegt.
Widerstand aus der Landespolitik
Aus der bayerischen Landespolitik kommt deutlicher Gegenwind. Energieminister Hubert Aiwanger forderte die Bundesnetzagentur auf, die Genehmigung zu verweigern.
- Er sieht die Versorgungssicherheit im Freistaat gefährdet. Damit prallen wirtschaftliche Argumente und politische Sicherheitsinteressen direkt aufeinander.
- Uniper
betont, dass andere Speicherstandorte nicht betroffen seien. Dennoch
zeigt der Fall Breitbrunn, wie fragil das System geworden ist. Jeder
einzelne Speicher gewinnt an Bedeutung, wenn die Gesamtlage angespannt
bleibt.
Fehlende Anreize für volle Speicher
Das
Problem beschränkt sich nicht auf Breitbrunn. Auch an anderen
Standorten lohnt sich das Vorhalten von Gas für Betreiber kaum noch.
- Die sogenannte Speicherarbitrage, also der Gewinn aus saisonalen Preisunterschieden, ist stark geschrumpft. Monatliche Füllstandsvorgaben begrenzen die Flexibilität zusätzlich.
- Uniper erklärte zuletzt, die Versorgungssicherheit mit Erdgas in Deutschland sei aktuell „nicht garantiert“
- Das Unternehmen fordert verlässliche und langfristige Rahmenbedingungen. Außerdem verlangt es gezielte Marktanreize, um Speicher wieder wirtschaftlich befüllen zu können.
Gefahr einer Notlage im Spätwinter
Schon zu Beginn dieses Winters lagen die Speicherstände unter dem Vorjahresniveau.
- Dieser
Trend setzte sich fort, auch weil die Heizperiode vergleichsweise kalt
ausfiel. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnte bereits im
Februar eine angespannte Lage entstehen.
- In einem solchen Szenario wären zunächst industrielle Großverbraucher betroffen. Abschaltungen in der Industrie gelten als erster Schritt, bevor weitere Maßnahmen folgen.
- Der niedrige Füllstand in Breitbrunn verschärft dieses Risiko, weil regionale Ausgleichsmöglichkeiten fehlen.
3.) Gasspeicher in der Krise – Uniper kann Speicherkapazitäten nicht vermarkten
https://blackout-news.de/aktuelles/gasspeicher-in-der-krise-uniper-kann-speicherkapazitaeten-nicht-vermarkten/
Juni 24, 2025
Die Versorgungslage in Deutschland verschärft sich.
- Uniper fand bei einer Auktion keine Abnehmer für Speicherkapazitäten im Gasspeicher Breitbrunn. Weder Stadtwerke noch Versorger zeigten Interesse, dort Gas zwischenzulagern.
- Der
Speicher ist aktuell nur zu einem Drittel gefüllt. Das Ziel von 80
Prozent bis November rückt damit in weite Ferne – mit möglicherweise
gravierenden Folgen für die Heizperiode (Berliner Zeitung: 12.06.25)
Wirtschaftliche Trennung blockiert Speicherkapazitäten
Obwohl
Uniper seit der Verstaatlichung unter staatlicher Kontrolle steht,
trennt der Konzern Importgeschäft und Speicherbetrieb strikt.
- Der
Gasspeicher fungiert als eigenständige Geschäftseinheit, die nur dann
befüllt wird, wenn dies wirtschaftlich sinnvoll erscheint.
- Entscheidend
dafür ist der sogenannte Sommer-Winter-Spread – also die erwartete
Preisdifferenz zwischen den Jahreszeiten. Ist dieser Unterschied gering,
bleibt die Nachfrage nach Speicherkapazitäten schwach.

Uniper findet keine Kunden für Speicherkapazitäten im Gasspeicher Breitbrunn –
Versorgungslücke droht im Winter
Ein
solches Marktverhalten verhindert derzeit eine frühzeitige Füllung der
Speicher. Zwar deutet der geringe Spread auf eine entspannte Marktlage
hin. Doch unvorhergesehene Entwicklungen – etwa extreme Kälte,
geopolitische Spannungen oder Lieferausfälle – könnten kurzfristig zu akuter Knappheit führen.
Füllstände stagnieren trotz hoher Speicherkapazitäten
Seit dem Ende russischer Gaslieferungen spielen Speicherreserven eine zentrale Rolle in der deutschen Energiepolitik.
- Dennoch
stagniert der Fortschritt. Die bundesweiten Gasspeicher erreichen
aktuell nur rund 50 Prozent Füllstand. Auch Rehden, Deutschlands größter
Speicher, bleibt weitgehend leer. Industrie und Haushalte stehen somit
vor potenziellen Engpässen im Winter.
- Besonders bedenklich: Der Speicher Breitbrunn gilt als systemrelevant – auch für das Nachbarland Österreich. Dennoch lassen sich die dort angebotenen Speicherkapazitäten nicht vermarkten.
- Das verdeutlicht ein strukturelles Problem im deutschen Gassektor, das ohne politische Eingriffe kaum lösbar erscheint.
Druck auf Trading Hub Europe steigt
Uniper
hat die Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) bereits
zum Eingreifen aufgefordert. Diese könnte im öffentlichen Interesse
Gasspeicher befüllen oder alternative Maßnahmen einleiten. Doch bislang
bleibt THE untätig – eine gefährliche Passivität angesichts der
wachsenden Risiken.
Langfristig
droht dem Speicher Breitbrunn zudem das Aus. Wegen fehlender
Wirtschaftlichkeit plant Uniper, die Anlage bis spätestens Anfang 2027
stillzulegen. Die Bundesnetzagentur muss über den Antrag entscheiden. Angesichts der Systemrelevanz erscheint dieser Rückzug als besonders problematisch.
Haushalte bleiben (noch) verschont
Zwar
besteht derzeit keine unmittelbare Gefahr für Privathaushalte. Dennoch
könnten leere Speicher im Winter zu stark steigenden Gaspreisen oder
staatlichen Notmaßnahmen führen. Je leerer die Lager, desto größer das
Risiko – für Unternehmen, Verbraucher und die Stabilität der
Energieversorgung.
- Ohne
gefüllte Speicher fehlt im Ernstfall die nötige Flexibilität. Die
aktuelle Zurückhaltung bei der Buchung von Speicherkapazitäten
verdeutlicht ein tiefgreifendes Marktversagen, das politische
Aufmerksamkeit erfordert.
- Nur
durch klare Vorgaben und gezielte Anreize lässt sich eine stabile
Gasversorgung sicherstellen. Anreize fehlen – mit möglichen Folgen für
das gesamte Energiesystem.
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